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Entwicklungen und Fehlentwicklungen an Grundschulen

u. a. mit fundierter Kritik an der 'Methode Sommer-Stumpenhorst'

 

 

aktualisiert am: 12.07.2010

Elternbrief Nr. 13

Ergänzung in Elternbrief Nr. 13:

  • Nr. 13: Pädagogik gegen das Kind -

Lesen durch Schreiben' mit dem Unterricht nach Sommer-Stumpenhorst, Tinto und Reichen

Wie wissenschaftsferne Dogmen unseren Kindern schaden

 

In: Kap. IV.: 'Schreib', wie du sprichst!' - Schreiben nach Gehör und mit der Anlauttabelle 

> die qualitativen Fehleranalyse

Elternbrief Nr. 21

  • Nr. 21: Länger gemeinsam  lernen -

 schulpolitisch gesteuerte Experimente an und mit Kindern 

Ergänzung: II. Grundschule neu gedacht - in NRW und anderswo in Deutschland oder: Wie aus G8 schon bald G6 werden soll!

  • Nr. 20: "Der Teufel ist böse." -

 Moderner Anfangsunterricht mit der Methode 'Sommer-Stumpenhorst'

Elternbrief Nr. 20

  • Lesempfehlung: Lernwegsorientierter Schriftspracherwerb im Spiegel der Empirie und des Schulalltags v. Wilfried Metze (s. unten!

In Vorbereitung:

 

Elternbrief Nr. 22: Individualisierung an Grundschulen - Potemkinsche Dörfer fürs Show-Fenster

 

 

Was LehrerInnen und Eltern von Erstklässlern unbedingt wissen sollten: 

            Lernwegsorientierter Schriftspracherwerb im Spiegel der Empirie und des Schulalltags       

       Wilfried Metze (Grundschuldidaktiker und Fibelautor)/Vortrag beim Dyslexieverband in Zürich (Schweiz) am 31. Mai 2008 

 >http://www.wilfriedmetze.de/Vortrag_Zurich_31.5.08.pdf<

 

Pädagogik gegen das Kind

'Lesen durch Schreiben' mit dem Unterricht nach Sommer-Stumpenhorst, Tinto und Reichen

Wie wissenschaftsferne Dogmen unseren Kindern schaden

 

Dazu: Elternbrief Nr. 13

 

Gesucht: Grundschulen ohne 'Lesen durch Schreiben'

Immer öfter melden sich besorgte Eltern aus dem Bundesland NRW, die verhindern wollen, dass ihre Kinder nach der Methode 'Lesen durch Schreiben' (Rechtschreibwerkstatt/Sommer-Stumpenhorst, 'Tinto'/Urbanek, 'Lesen durch Schreiben'/Reichen, ....) unterrichtet werden.

Auf Bitten dieser wachsenden Anzahl von Eltern hin sucht Elternbriefe-online Grundschulen, an denen ein moderner,  pädagogisch sinnvoller und effektiver Unterricht erteilt wird. 

Elternbriefe-online bittet um die Nennung solcher Grundschulen insbesondere aus den folgenden Großräumen:

Aachen, Bielefeld, Bonn, Düsseldorf, Euskirchen, Köln, Münster, Siegburg, St. Augustin, Niederrhein, Ostwestfalen-Lippe. 

Sämtliche Meldungen werden streng vertraulich behandelt und in anonymisierter Form weitergegeben. 

 

Demnächst:

Schulpsychologie und Business –

 eine anstößige Liaison

Auf Kollisionskurs mit dem beruflichen Ethos

Ein Sachbuch

 

Nachrichten

 

Inhaltsverzeichnis dieser Seite: 

Nr. 15  - " ... suche Studien, die positiv für die RSW sind" - Ein Lehrstück vom allgemeinen und speziellen Werteverfall 

Nr. 14 - Was die Marburger Studie auch belegt: Wie ein Schulwechsel nach dem Unterricht mit 'Lesen durch Schreiben'  zum nicht-kalkulierbaren Risiko werden kann.

Nr. 13 - Die Marburger Studie belegt erneut: Auch nach vier Jahren ist der Anteil an rechtschreibschwachen Kindern in Sommer-Stumpenhorst-Klassen am größten.

Nr. 12 - NRW-Schulministerin Barbara Sommer: "Ich kann das Klagen nicht mehr hören!" - Ein Schulleiter gibt Widerworte.

Nr. 11 - Das Professoren-Duo Brügelmann/Brinkmann: Wie wissenschaftlich ist ihre Wissenschaft? 

Nr. 10 - NRW-Schulministerin Sommer verstößt gegen ihr eigenes Gesetz - Die Zahl der Schulanfänger nimmt ab - doch die Eingangsklassen werden größer  

Nr.   9 - Warum Südtirol bei PISA II so erfolgreich war - Unredlich: Das Professoren-Duo Brügelmann/Brinkmann verschweigt  Eltern und Lehrerinnen die wahren Hintergründe

Nr.   8 - NRW-Schulministerin Barbara Sommer: Überfordert und kopflos – und wer dümpelt da eigentlich vor sich hin?

Nr.   7 Suspekte "Studie" zur Methode Sommer – Stumpenhorst - Wie ausgerechnet Schulpsychologen bei Eltern und Lehrern für Unmut sorgen

Nr.   6 - Die Rechtschreibwerkstatt ist kein Fibel-Ersatz - Norbert Sommer-Stumpenhorst: Materialien der Rechtschreibwerkstatt sind NUR „Fördermaterial für den Bereich des Rechtschreibens“  

Nr.   5 - Neu in NRW: Notenzeugnisse für Klasse 2 - Warum Eltern diese Entscheidung begrüßen sollten.  

Nr.   4 - Prof. Dr. Renate Valtin bleibt dabei: Die Methode „Lesen durch Schreiben“ schadet Kindern.

Nr.   3 - Darf jetzt in NRW nicht mehr nach "Tinto" und „Sommer-Stumpenhorst“ unterrichtet werden ?

Nr.   2 - Einführung der flexiblen Schuleingangsphase in NRW weiterhin freigestellt  

Nr.   1 - „Früher waren die Rechtschreibleistungen besser!“ - Alles dummes Geschwätz? -

 

Den Aufsatz >>> Peter Petersen - der Jena-Plan - die Jena-Plan-Schule - Sein "pädagogisches" Wirken in den Jahren 1933 - 1945 - finden Sie unter:

http://jena-plan.grundschulservice.de

Nr. 15

 

 "... suche Studien, die positiv für die RSW sind"

Ein Lehrstück vom allgemeinen und speziellen Werteverfall

 

'C.', Grundschullehrerin, wegen ihrer Kinder für einige Jahre nicht berufstätig, kehrte zum Schuljahrsbeginn 2008/09 in die Schule zurück und ist seitdem gehalten, nach der Methode Sommer-Stumpenhorst zu unterrichten. Sie hat aber auch ein weiteres Problem zu bewältigen, dass sie offenbar in erheblich größerem Ausmaß belastet. Arglos bittet sie daher am 08.12.2008 im Forum der „Graf Orthos Rechtschreibwerkstatt GmbH & Co. KG“ unter der Überschrift "Brauche Argumentationshilfe ... suche Studien, die positiv für die RSW sind" um Rat : 

'C.' am 08.12.2008:

  "[.....] Nun habe ich in meiner Klasse auch einige kritische Eltern, die eher gar nicht überzeugt sind. Die finden, dass ihre älteren Kinder in den ersten beiden Schuljahren mit der herkömmliche Fibelmethode viel besser gelernt haben und sehr viel sicherer in der Rechtschreibung sind, als ihre jüngeren Kinder in meiner Klasse."

"[.....] Und genau deswegen bin ich hier zur Quelle gekommen ... und suche nun hier Fakten, die untermauern, dass die Methoden der RSW erfolgreich sind ... und warum genau sie erfolgreich sind.
Gibt es objektive, unabhängige, vergleichende Studien, die zu einem solchen Ergebnis kommen?
Ich wäre sehr dankbar, wenn ich hier ein paar Links zu solchen Studien bekommen könnte ..., um so gestärkt in die Elterndiskussion gehen zu können."

Am 10.12.2008 hieß es in der persönlichen Antwort des Norbert Sommer-Stumpenhorst u.a.*:

Am 12.12.2008 gab es allerdings einige kritische Nachfragen an Sommer-Stumpenhorst*:

Am 20.12.2008 bereits war das Diagramm  entfernt mit der Begründung*:

"*) Wegen eines unbeabsichtigten Fehlers in dem Diagramm wurde dieses vorübergehend entfernt."

 

* Screenshot von Sommer-Stumpenhorsts Forum der Rechtschreibwerkstatt 

** Diese Änderung in dem Screenshot wurde vom Verfasser des Berichts vorgenommen.

 

Die kritischen Einwände der Forum-Leser XXX & Co. waren nur allzu berechtigt. Diese das Diagramm begleitende Behauptung kann keinesfalls aus einer wissenschaftlich geführten Studie abgeleitet werden:

"Bei RSW-Klassen zeigen sich zu Beginn langsame, dann zum Ende der Grundschulzeit stark ansteigende Lernverläufe, die sich schließlich in der Sekundarstufe auf einem hohen Niveau stabilisieren. Diese Ergebnisse werden auch durch die Marburger Studie (Prof Schulte-Körne) und die Gießener Studie. (Prof. Glowalla) gestützt.

Auch die offensichtliche Vermutung der Kritiker ist richtig, dass es sich bei dem vorgestellten Diagramm um eine in jeder Hinsicht fehlerhafte Konstruktion handelt. Es gibt nicht eine universitäre Studie, die die Daten zu einem Diagramm mit den oben gezeigten Kurvenverläufen liefern könnte: Und es ist geradezu abwegig, per Kommentar einen Bezug zur Marburger Studie (Prof. Schulte-Körne) oder zur sog. Gießener Studie (Prof. Glowalla) herstellen zu wollen.

Die Marburger Studie

Die Marburger Studie dauerte  lediglich 4 Jahre (von 2002-2006). Keine der oben dargestellten Kurven lässt sich daraus ableiten. Im Gegensatz zum oben dargestellten Kurvenverlauf für die Fibelklasse mit differenziertem Anfangsunterricht 'unterlag' die Rechtschreibwerkstatt dem Unterricht mit der Fibel (für differenzierten Anfangsunterricht) 'Lollipop'. Keinesfalls wurde aber die Marburger Studie noch bis in die 5. oder 6. Klasse fortgesetzt, das heißt, dass für die Sekundarstufe keinerlei Ergebnisse für Lernverläufe vorliegen können. 

Die Gießener Studie  

Die Gießener Studie (ILSU/Glowalla) lief nur über 2 bzw. 3 Jahre, davon diente

Folglich konnte es  in keiner Klasse über 5 oder 6 Jahre hinweg einen kontinuierlichen und dabei zugleich - im Rahmen einer seriösen wissenschaftlichen Studie - einen beobachteten Einsatz der Materialien der Rechtschreibwerkstatt geben, der die oben gezeigten Kurvenverläufe rechtfertigen könnte: Der im Rahmen der sog. Gießener Studie 'wissenschaftlich' beobachtete kontinuierliche Einsatz der Materialien der Rechtschreibwerkstatt konnte pro Klasse  im Höchstfall lediglich 2 Jahre dauern .

Für an der 'Studie' beteiligte erste Klassen, die zum Beginn des Schuljahres 2004/2005 - dieser Zeitpunkt ist identisch mit dem Beginn der "Studie" - die 'wissenschaftlich' begleitete Arbeit mit der Rechtwerkstatt aufnahmen, endete somit diese 'wissenschaftliche Begleitung', also die zweijährige Projektphase 1, bereits mit dem Ende des Schuljahres  2006/2007.   

Wäre die 'wissenschaftliche Begleitung' dieser Klassen bei ihrer Arbeit mit der Rechtschreibwerkstatt seinerzeit über mindestens 3 Jahre, also bis in die Sekundarstufe, fortgesetzt worden, wäre Ende Januar 2009, also zum Ende des ersten Halbjahrs der 5. Klasse, gerade erst Zeitpunkt 5.1 (gem. Diagramm Sommer-Stumpenhorst) erreicht worden. Sommer-Stumpenhorst entwarf indes bereits  am 10.12.2008, das 5. Schuljahr war nicht einmal vier Monate alt, Leistungskurven für Rechtschreibwerkstatt und Fibeleinsatz bis zum Ende des gesamten Schuljahres 2008/2009 - die 'Gießener Studie' war jedoch bereits mit dem Ende des Schuljahres  2006/2007 beendet worden.

 

Wissenschaftlich abgesicherte Daten hätten sich danach aus der Gießener Studie ohnehin ab Schuljahresende 2005/2006 nicht mehr ableiten lassen. 

In Wirklichkeit war ILSU aber nicht einmal eine Studie. An die Durchführung einer wissenschaftlichen Studie  sind  besonders hohe  Bedingungen  geknüpft, die strikt einzuhalten sind:  ILSU  war ein Modellprojekt, für das als Ziel formuliert war ( http://www.iim.uni-giessen.de/projekte/ILSU/ ) :

„Ziel des Modellprojekts "Innovationen im Lese- und Schreibunterricht" (ILSU) ist der Aufbau eines regionalen Netzwerkes zur binnendifferenzierenden Förderung der Schriftsprachkompetenz von Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 1 bis 6.“ 

In einer kurzen Meldung veröffentlichte der Initiator der sog. Studie, das Staatliche Schulamt für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis, ein kurzes Fazit des Projekts (Internet, Screenshot, Stand 20.01.2009):

Ganz offenbar wollte (und konnte) sich das  Schulamt für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis auch nicht mit weiterführenden Daten ausführlicher  zum Ausgang dieser sog. Studie äußern und nennt als einziges Ergebnis:

"Durch das Modellprojekt entstand ein regionales Netzwerk zur binnendifferenzierenden Förderung der Schriftsprachkompetenz von Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 1 bis 6."

Daten und Ergebnisse als Grundlage für Kurven mit Aussagen zu kontinuierlichen Leistungsentwicklungen über 6 Jahre hinweg, wie Sommer-Stumpenhorst sie entwirft, konnte das Modellprojekt tatsächlich nicht liefern.

Lediglich einem dreiseitigen per Internet zu erreichenden 'Flyer' mit dem Titel «Modellprojekt „Innovationen im Lese und Schreibunterricht“ (ILSU)», auf den das Staatliche Schulamt für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis seit 2008 hinwies, war zu entnehmen, dass 

  1. das Modellprojekt ILSU (Schuljahr 2004/2005 bis 2005/2006 bzw. 2006/ 2007) auch "die Evaluation der Rechtschreibleistung in insgesamt 23 Projektklassen, die mit dem binnendifferenzierenden Konzept der RSW unterrichtet wurden", vorsah. 

  2. Weiter hieß es: "Dies geschah im Vergleich zu 13 Kontrollklassen."

Screenshot 'Verweis auf den Flyer' vom 21.01.2009:

Ohne jeglichen Hinweis darauf, dass das Modellprojekt 'ILSU' den wissenschaftlichen Maßstäben der Validität, Reliabilität und Objektivität entsprechen konnte, gab es in dem oben näher bezeichneten Flyer - den Grundschulbereich betreffend - ein völlig wissenschaftsfernes und in suspekter Manier beschriebenes Fazit: 

"Vergleich zwischen Kontroll- und Projektgruppe:

Insgesamt ergibt sich innerhalb der drei Grundschulkohorten am Ende der Evaluationsphase* ein vergleichbares Rechtschreibniveau** beider Gruppen."

*Am "Ende der Evaluationsphase"? Am Ende des Projekts stand nach dem zweijährigen Einsatz des Konzepts (der Rechtschreibwerkstatt) und der Datenerhebung in den beiden Schuljahren 2004/2005 sowie 2005/2006 die einjährige Evaluationsphase (Projektphase 2 im Schuljahr 2006/2007), die ausschließlich der Analyse und der Erstellung des Berichts galt. In dieser Phase wurde das obige Ergebnis formuliert.

**Ein "vergleichbares Rechtschreibniveau"? Bei 'Wahrig'/Synonymwörterbuch (2002) finden wir unter 'vergleichbar'

= "> analog || > ähnlich".

Im Klartext heißt das Fazit also:

Vergleich zwischen Kontroll- und Projektgruppe:

Insgesamt ergibt sich innerhalb der drei Grundschulkohorten am Ende der Evaluationsphase* ein ähnliches Rechtschreibniveau** beider Gruppen.

* et **: Siehe oben!

Dieses Fazit setzt Sommer-Stumpenhorst  auf seine Weise um - wobei zu bedenken ist, dass der im Rahmen von ILSU 'wissenschaftlich' beobachtete kontinuierliche Einsatz der Materialien der Rechtschreibwerkstatt pro Klasse  im Höchstfall lediglich 2 Jahre dauern konnte -:

 Der Sommer-Stumpenhorst-Befund nach Klasse 4:

Unschlagbar: "zum Ende der Grundschulzeit stark ansteigende Lernverläufe" bei der RSW

 

Tatsächlicher ILSU-Befund:

f

Insgesamt ergibt sich innerhalb der drei Grundschulkohorten am  Ende  der  einjährigen  Evaluationsphase ein ähnliches Rechtschreibniveau beider Gruppen (Projektgruppe & Fibelklassen).

Als  zum Ende der Grundschulzeit weit überlegen stellt Sommer-Stumpenhorst  die Ergebnisse der Rechtschreibwerkstatt dar. Zu solchen Schlussfolgerungen konnte die Gießener Studie jedoch überhaupt nicht führen. 

Insgesamt war die sog. Gießener Studie unzweifelhaft  gar nicht darauf angelegt, einen solchen wie von Sommer-Stumpenhorst vorgetragenen Beweis erbringen zu können: "Bei RSW-Klassen zeigen sich zu Beginn der Grundschulzeit langsame, dann zum Ende der Grundschulzeit stark ansteigende Lernverläufe, ... ".  Zur Erinnerung: Bei ILSU wurden die Lernverläufe pro Klasse lediglich über zwei Jahre 'gemessen', folglich konnten sich daraus für keine der Klassen 10 Messzeitpunkte ergeben - wie Sommer-Stumpenhorst sie in seinem Diagramm markiert hat.  Schließlich hieß das Ergebnis für ILSU  dann in Wirklichkeit: Insgesamt ergibt sich innerhalb der drei Grundschulkohorten am Ende der (einjährigen) Evaluationsphase ein ähnliches Rechtschreibniveau beider Gruppen (Projektgruppe & Kontrollgruppe).

Bereits in 2005 hatte diese sog. Glowalla- bzw. ILSU-Studie nach einem Bericht in der Frankfurter Rundschau vom 09.07.2005 für erheblichen Wirbel in Hessen gesorgt:

Land unterstützt zweifelhafte Lese-Studie

Gießener Professor testet Methode, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen / Verquickung mit den Geschäften der Ehefrau

VON PETER HANACK (FRANKFURT)

 

Das Ergebnis schien klar. Unter den Kindern, die mit der Fibel Lollipop das Lesen und Schreiben gelernt hatten, waren zum Ende der 2. Klasse nur fünf Prozent schwach in der Rechtschreibung. In den anderen Klassen, in denen die Methode "Rechtschreibwerkstatt" des Diplom-Psychologen Norbert Sommer-Stumpenhorst getestet wurde, lag die Quote der rechtschreibschwachen Kinder bei 23 Prozent - fast fünf mal so hoch. Trotz des eindeutigen Ergebnisses, das die Studie der Universität Marburg unter Leitung des renommierten Legasthenie-Experten Gerd Schulte-Körne brachte, lässt das hessische Kultusministerium die Rechtschreibwerkstatt weiterhin testen. An der Universität Gießen untersucht eine Arbeitsgruppe um Professor Ulrich Glowalla, wie gut sich Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten durch Sommer-Stumpenhorsts Methode verhindern lassen.

An der Objektivität jener, die die Gießener Studie erstellen, gibt es allerdings Zweifel. Professor Glowallas Ehefrau ist Geschäftsführerin der Lerndesign GmbH, die Material für die "Rechtschreibwerkstatt" herstellt und dieses über den Collishop von Diplom-Psychologe Norbert-Stumpenhorst im Internet vertreibt.

Ein an der Studie beteiligter wissenschaftlicher Mitarbeiter von Professor Glowalla, Sascha G., arbeitet außerdem für die Lerndesign GmbH und das Internet-Forum der "Rechtschreibwerkstatt". Bereits zu Beginn der Studie zeigt sich Professor Glowalla von der hohen Qualität der "Rechtschreibwerkstatt" überzeugt: "Ein Kind, das das Programm durchgearbeitet hat, wird keine Probleme mehr bei der Rechtschreibung haben", wird er in einem Bericht des Gießener Anzeiger vom 7. September 2004 zitiert. In Gießen nehmen fast 100 Lehrer an 22 Schulen an dem Projekt teil, in Marburg waren es lediglich 15 Klassen.

Ministerium geht auf Distanz


Auf Nachfrage der FR geht das Kultusministerium auf Distanz. Die Untersuchung in Gießen erfolge nicht im Auftrag des Ministeriums, auch die personellen Verquickungen seien in Wiesbaden nicht bekannt. Fragen, wie das Ministerium diese Verquickungen einschätze und ob diese möglicherweise Einfluss auf die Ergebnisse der Studie haben könnten, beantwortet eine Sprecherin des Ministeriums mit dem Satz, eine solche Studie sei vom Ministerium nicht in Auftrag gegeben worden - obwohl auf der Internetseite der Universität Gießen das Ministerium als Auftraggeber benannt wird.


Professor Glowalla sagt in einem Telefongespräch mit der FR, es habe über die Untersuchung "direkte Gespräche" mit dem Kultusministerium gegeben. Projektnehmer sei das Staatliche Schulamt für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis. Zwischen Glowallas Forschungsgruppe und dem Staatlichen Schulamt gebe es darüber eine Kooperationsvereinbarung. Der Leiter dieses Schulamts, Heinz Kipp, verweigert jede Auskunft zum Thema und verweist auf das Kultusministerium.

Die Ergebnisse der Marburger Untersuchung, die Lollipop im Gegensatz zur Rechtschreibwerkstatt als bessere Methode identifiziert hat, sind bis heute nicht veröffentlicht und lediglich einem kleinen Kreis von unmittelbar Beteiligten bekannt. Aus dem Kultusministerium heißt es dazu, die Marburger Studie sei noch nicht abgeschlossen, der Aussagewert der bisherigen Ergebnisse für eine Veröffentlichung zu gering. Erste Trends, heißt es, ließen erkennen, dass Lollipop "zum jetzigen Zeitpunkt das zielführendere Konzept" darstelle.

Der Leiter der Marburger Forschergruppe, Gerd Schulte-Körne, hält die Zwischenergebnisse dagegen für eindeutig und durchaus belastbar. "Es ist unstrittig, dass die Rechtschreibwerkstatt nicht so effizient ist wie Lollipop", sagt er - obwohl Sommer-Stumpenhorsts "Rechtschreibwerkstatt" wesentlich materialintensiver und damit für die Schulen auch teurer als viele andere Methoden sei. Das solle, fordert er, auch "politische Folgen" haben.

Trotz mehrmaliger Anfrage gibt es von Seiten des Ministeriums und des Staatlichen Schulamts keine Auskunft darüber, wann und durch wen der Auftrag zur "Rechtschreibwerkstatt" an Glowallas Forschungsgruppe gegeben worden ist. Auch auf Fragen zu möglichen personellen Konsequenzen gibt es aus Wiesbaden und Gießen keine Antwort.

Inzwischen gestalten sie, Sommer-Stumpenhorst mit seiner Rechtschreibwerkstatt und die Lerndesign GmbH mit Prof. Glowallas Ehefrau, Dr. Gudrun Glowalla, als Geschäftsführerin, bedenkenlos ihren gemeinsamen Werbeauftritt* und dürfen froh darüber sein, dass der Dritte in ihrem Bunde, Dr. Ulrich Glowalla, als tüchtiger Professor die Wirksamkeit ihrer Produkte untersuchen wollte:

*Screenshot vom 21.01.2008

** Die rote Markierung in dem Screenshot wurde vom Verfasser des Berichts vorgenommen.

Norbert Sommer-Stumpenhorst gibt sich zufrieden: "Diese Ergebnisse werden auch durch ... die Gießener Studie. (Prof. Glowalla) gestützt."

Welcher Eingebung folgend und mit welcher Absicht der beamtete Schulpsychologe Sommer-Stumpenhorst das oben diskutierte Diagramm sowie den begleitenden Kommentar - sich dabei auf Prof. Schulte-Körne und Prof. Glowalla berufend - entwarf und schließlich auch noch veröffentlichte, mag kaum zu enträtseln sein. Vielleicht lieferte aber auch der Privatdozent für Romanistik und Linguistik Dr. A. XXX, Familienvater von drei Kindern, am 15.10.2008 in "www.elternforen.com" den richtigen Lösungsansatz. (Siehe Screenshot unten!) Dann könnte es sich um dasselbe Phänomen handeln, das Finanzfachleute für den Auslöser der Finanzkrise halten: "Gier frisst Hirn!".

Erinnern wir uns an das Anliegen der Fragestellerin: "Und genau deswegen bin ich hier zur Quelle gekommen... und suche nun hier Fakten, die untermauern, dass die Methoden der RSW erfolgreich sind... und warum genau sie erfolgreich sind. Gibt es objektive, unabhängige, vergleichende Studien, die zu einem solchen Ergebnis kommen?"

Weiterhin entfernt: das Diagramm mit dem "unbeabsichtigten Fehler" 

(Stand laut Screenshot vom 16.11.2009*):

 *Screenshot von Sommer-Stumpenhorsts Forum der Rechtschreibwerkstatt 

Zu dieser Thematik passend:

Elternbrief Nr.  2 

Die Methoden „Sommer-Stumpenhorst" und „Tinto“ - die unsauberen Studien zur Methode „Sommer-Stumpenhorst" - Wird der Unterricht in der "modernen Schule" zunehmend von privatwirtschaftlichen Interessen geprägt?

Elternbrief Nr. 16

Das Ende eines Mythos: Lesen durch Schreiben und die Methode Sommer-Stumpenhorst - die unsauberen Studien zur Methode „Sommer-Stumpenhorst"

 

Nr. 14

 

Was die Marburger Studie auch belegt:

 

Wie ein Schulwechsel nach dem Unterricht mit 'Lesen durch Schreiben' zum 

nicht-kalkulierbaren Risiko werden kann.

 

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU)  nutzte das Sommerloch in diesem Jahr, sich für bundeseinheitliche Schulbücher auszusprechen. Das hatten zwar vor ihr immer wieder auch schon einmal andere Bildungspolitiker durchzusetzen versucht, ihre gewichtigen Argumente sind jedoch ganz offensichtlich bis heute wirkungslos geblieben. Das wird wohl auch jetzt nicht anders sein, obschon Schavan ja durchaus richtig erkannt hat, dass unsere föderalistische bildungspolitische Kirchturmpolitik "dem Standort D schadet, weil die Ausbildung des Nachwuchses darunter leidet" - erst recht in Zeiten erhöhter Mobilität. Sie begründete ihren Vorstoß unter anderem damit, dass Eltern bei einem Umzug in ein anderes Bundesland weniger Sorge haben müssten, dass ihre Kinder im Unterricht nicht mitkämen. Die Rhein-Zeitung warnte vor kurzem: "Es geht darum, dass die Bundesrepublik in einem immer dynamischeren Globalisierungs-Prozess den Vergleich gegen Finnland oder Südkorea besteht. Es geht darum, dass eine Familie bei einem Umzug innerhalb Deutschlands sich nicht auch noch Gedanken um die Lerninhalte ihrer Kinder machen muss." Wie nicht anders zu erwarten,  ließ der Verband VdS Bildungsmedien (die Interessenvertretung von Verlagen und Firmen, die Medien für Bildungszwecke herstellen), der die 84 Schulbuchverlage und Hersteller von Bildungsmedien in Deutschland vertritt, nicht lange mit einer Antwort auf sich warten und sprach sich entschieden gegen dieses Vorhaben aus: "Der VdS Bildungsmedien weist jedwede Gedankenspiele um ein "Einheitsschulbuch" für alle Schüler in Deutschland als politisch abwegig und aus pädagogisch-didaktischen Gründen auch nicht wünschenswert zurück. Schulbücher transportieren nicht einfach Inhalte, die in den Lehrplänen der Länder festgeschrieben sind, sondern sie vertreten unterschiedliche Lernwege und methodisch-didaktische Ansätze." Eine absurde Argumentation! Sicherlich können stoffliche Inhalte mit Fleiß ausgeglichen werden, wenn die auf den Markt geworfenen Lehr- und Lernmittel jedoch "unterschiedliche Lernwege und methodisch-didaktische Ansätze" vertreten, kann das gerade für Grundschulkinder besonders dann verhängnisvolle Auswirkungen haben, wenn sie die Schule wechseln müssen. Da die Bildungswirtschaft aber so vehement widerspricht, haben wir natürlich nichts anderes zu erwarten, als dass alles beim Alten bleibt.

Eltern, die aus ihrer Sicht argumentieren, bleiben ungehört. Zwei Beispiele (aus Forum 'Schule+Familie'/Auszüge):  

  1. S1: "Wir haben selbst innerhalb einer Schule unterschiedliche Schulbücher. Und innerhalb zweier Orte ist das nochmals ein Heidenchaos. Wir haben hier im Umkreis von 5 km ca. 4 Grundschulen und an diesen 4 Grundschulen gibt es allein schon 6 verschiedene Deutschbücher für eine Klasse. Und genauso sieht es mit Mathe aus. Da mag ich mir gar nicht vorstellen, was für ein Chaos herrscht, wenn man gar das Bundesland wechselt." 

  2. S2: "Auch in unserer Zeitung stand heute darüber ein Artikel.
    Ich würde einheitliche Schulbücher begrüßen. Aber bitte auch mit einheitlichen Lernkonzepten!
    Man kann nicht über das schlechte Abschneiden unserer Schüler bei dem PISA-Test schimpfen, wenn jede Schule ihre eigene Suppe kocht!
    Wir haben in unserem Ort zwei Grundschulen, beide Schulen haben völlig unterschiedliche Bücher. Wenn jemand mitten im Schuljahr innerhalb des Ortes umzieht und sich der Schulbezirk ändert, muss das Kind die Schule wechseln. Das heißt, alle Bücher müssen neu gekauft werden!"

"Aber bitte auch mit einheitlichen Lernkonzepten!" Mit dieser Forderung weist Schreiber S2 auf einen besonders wichtigen Aspekt hin,

Mit der Veröffentlichung der neuesten Ergebnisse der Marburger Studie (s. unten!) wurden Sachverhalte bekannt, die besonders dann von großer Bedeutung sind, wenn Grundschulkinder die Schule wechseln müssen. 

Was  die Kinder  der Lollipop-Klassen/der Sommer-Stumpenhorst-Klassen nach zwei Schuljahren können sollen:

 

 

  

 

  Lollipop-Klassen

   Sommer-Stumpenhorst-Klassen

Die Kinder sollen sicher sein in den grundlegenden Kategorien des lautorientierten Schreibens u. der Laut-Buchstaben-Zuordnung. 

Darüber hinaus haben alle Lollipop-Kinder (das gilt ähnlich auch für den Unterricht mit etlichen anderen Fibeln*) bereits  in erheblichem Umfang in weiteren Kategorien des Rechtschreibens  gelernt und geübt:

·         Sie erkennen in Wörtern schwierige Stellen ('Stolperstellen').

·         Sie erkennen Wortstrukturen (Buchstaben, Laute, Silben, Morpheme, Signalgruppen).

·         Sie kennen grundlegende Regeln/Regelungen (Groß- und Kleinschreibung, Schreibung nach langem/kurzem Selbstlaut).

·         Sie kennen die Wortarten, ihre Funktion und ihre Schreibweise.

·         Sie können durch Zusammensetzung und Ableitung Wörter bilden.

·         Sie können grammatisch korrekte Sätze bilden, sie können die Satzarten unterscheiden und die entsprechenden Satzzeichen setzen.

·         Sie können über Signalgruppen, Reimwörter und Wortstämme Rechtschreibprobleme lösen.

·         Sie praktizieren als Rechtschreibhilfe die 'Wortverlängerung' durch Mehrzahlbildung.

·         Sie können  die Prozedur 'Umlautableitungen'  durch Mehrzahlbildung'  adäquat/zielgerichtet einsetzen. (Nach Lollipop-Sprachbuch 2)

*  Das gilt nicht für das Erstlesebuch "Tinto"

Die Kinder sollen sicher sein in den grundlegenden Kategorien des lautorientierten Schreibens u. der Laut-Buchstaben-Zuordnung.

Konzeptbedingt gibt es Kinder, die bereits in weiteren 'RSW-Zimmern' arbeiten dürfen.   Gem. Abschlussbericht des Staatlichen Schulamtes für den Schwalm-Eder Kreis und den Landkreis Waldeck Frankenberg  sind  allerdings 'Regelschreibungen'  bei der Rechtschreib- werkstatt am Ende der zweiten Klasse noch nicht behandelt worden.

Viele Kinder arbeiten aber gem. Konzept  Sommer-Stumpenhorst - oft bis weit in die 3. Klasse - ausschließlich in den grundlegenden Kategorien des lautorientierten Schreibens und der Laut-Buchstaben- Zuordnung .  

 

Für Lollipop-Kinder heißt es spätestens ab Beginn der zweiten Klasse: „Achtung! Wir können uns auf das Ohr nicht verlassen.“ Dieser Merkspruch findet sich auch im Lollipop-Sprachbuch für die 2. Klasse (!) und weist die Kinder so auf die schwierigen Phonem-Graphem-Verhältnisse im Deutschen hin. Bei der Methode Sommer-Stumpenhorst gilt hingegen - oft bis in 3. Klasse - der verhängnisvolle Leitspruch: "Schreib, wie du sprichst!".

Anzunehmen wäre, dass Kinder,  die nach der Methode Sommer-Stumpenhorst  in den Kategorien des lautorientierten Schreibens und der Laut-Buchstaben-Zuordnung über mindestens zwei Jahre, in vielen Fällen noch länger gearbeitet haben, in diesem Lernbereich auch erheblich bessere Lernerfolge aufweisen als die Kinder der Lollipop-Klassen, die diese Lernbereiche unter vielen weiteren zu bewältigen hatten. Das ist jedoch nicht der Fall.

Im Abschlussbericht zur Marburger Studie (Wolfgang Deimel/Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne: Modell Schriftsprach-Moderatoren (MSM): Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung nach vier Jahren. Universität Marburg, Dezember 2006) heißt es dazu wörtlich: 

"Ende 2. Klasse: Wir finden, dass sich die Konzepte hinsichtlich der grundlegenden Kategorien des lautorientierten Schreibens und der Laut-Buchstaben-Zuordnung nicht unterscheiden. Die Klassen der Rechtschreibwerkstatt schneiden hier also etwa genau so gut ab wie die Lollipop-Klassen." Als Fazit noch einmal: Nach zwei Jahren Grundschulzeit schneidet die Testgruppe Sommer-Stumpenhorst  "hinsichtlich der grundlegenden Kategorien des lautorientierten Schreibens und der Laut-Buchstaben-Zuordnung" "etwa genau so gut ab wie die Lollipop-Klassen", die allerdings in den beiden ersten Klassen zusätzlich viel mehr gelernt haben.

Das liest sich dann in dem Abschlussbericht zur Marburger Studie wörtlich so:

"Der im Zwischenbericht dokumentierte sehr große Konzeptunterschied in der globalen Rechtschreibleistung erklärt sich dadurch, dass die übrigen Rechtschreibkategorien von den Lollipop-Klassen fast durchweg deutlich besser beherrscht werden als von den RSW-Klassen."

An anderer Stelle heißt es wörtlich: "Wir können aber festhalten, dass Lollipop deutlich früher als RSW ein gutes Schriftsprachniveau erreicht hat, was durch den sehr deutlichen Gruppenunterschied am Ende der zweiten Klasse dokumentiert wird."

Selbst im Abschlussbericht des Staatlichen Schulamtes für den Schwalm-Eder Kreis und den Landkreis Waldeck Frankenberg, das die Studie in Auftrag gab, muss eingeräumt werden: "Folglich müssen die zu diesem Zeitpunkt (Anmerkung des Autors: am Ende der 2. Klasse) sehr deutlichen Unterschiede auf der quantitativen Ebene der Wortfehler insbesondere durch sog. 'Regelfehler' zustande gekommen sein. Diese sind aber bei der Rechtschreibwerkstatt am Ende der zweiten Klasse noch nicht im Schwerpunkt behandelt worden." Das ist allerdings eine ziemlich verharmlosende Deutung: Zweifelsohne gibt es die sehr deutlichen Unterschiede auch auf der qualitativen Ebene, und zwar gerade dort.

So sah  in 2004 die Verteilung rechtschreibschwacher Kinder nach den Klassen 1 und 2 aus:

- Angaben in % -

Fazit:

Damit wären wir wieder bei Schreiber S2 (siehe oben!): "Ich würde einheitliche Schulbücher begrüßen. Aber bitte auch mit einheitlichen Lernkonzepten!" 

 Uneinheitliche Lernkonzepte und Schulwechsel 

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird zunehmend mehr Mobilität und Flexibilität zur Anpassung an die Bedürfnisse der Wirtschaft abverlangt. Familiensoziologische Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein hohes Maß an Mobilität negativen Einfluss auf Familien hat, insbesondere wenn es um die Realisierung des Kinderwunsches geht, aber auch, wenn es bereits Kinder gibt und infolge eines Wohnortwechsels ebenso ein Schulwechsel ansteht. Dann können u. U. die unterschiedlichen Schulbücher eine bedeutsame Rolle für das Fortkommen eines Kindes spielen, mit Sicherheit aber werden in den meisten Fällen die unterschiedlichen Lernkonzepte noch entscheidender sein.   

Nicht einmal die verschiedenen Konzepte innerhalb der Methode 'Lesen durch Schreiben' (Sommer-Stumpenhorst, Tinto, 'Lesen durch Schreiben' nach Reichen) sind untereinander kompatibel. Wechseln  jedoch z. B. nach einer 2. Klasse mit einer guten Fibel unterrichtete Kinder in eine Klasse, die nach Sommer-Stumpenhorst (oder nach Tinto bzw. Lesen durch Schreiben nach Reichen) unterrichtet wurde, dürfte es keinerlei Probleme geben: In der Regel  haben Fibelkinder einen erheblichen Kenntnisvorsprung (siehe oben!). Umgekehrt ist ein Wechsel allerdings höchst problematisch: Dann dürften aus vielen guten Sommer-Stumpenhorts-Schülern in der neuen Fibel-Klasse plötzlich schlechte Rechtschreiber  werden - so könnte es auch vielen Tinto- und Reichen-Kindern ergehen. Nach der Methode 'Lesen durch Schreiben' unterrichtete Kinder  dürften allerdings auch nicht in Klassen wechseln, in denen nach einem anderen Lesen durch Schreiben-Konzept unterrichtet wird.

Viele Eltern kennen ganz offenbar inzwischen diese Problematik, sie berichteten Elternbriefe-online von Schulwechseln. Zwei Beispiele:

In beiden Fällen gab es dann aber keine größeren Probleme: Im ersten Fall schickten die Eltern das Kind in ein Nachhilfeinstitut, im zweiten Fall war die Mutter eine (Hauptschul)lehrerin. 

Eltern ist es auf keinen Fall zu empfehlen, dass sie zuerst selber einmal versuchen sollten, die bei ihren Kindern methodisch verursachten Defizite in eigener Regie zu beheben : Dazu bedarf es schon professioneller Hilfe, soll nicht alles noch viel schlimmer werden. Es ist nicht einfach, Kinder, die jahrelang ausschließlich nach der Maxime  "Schreib, wie du sprichst!" schreiben durften, zur tatsächlichen Rechtschreibung hinzuführen. Eltern ohne finanzielle Sorgen können ihrem Kind professionelle Hilfe ermöglichen, in anderen Fällen könnte  sich ein Schulwechsel verhängnisvoll auf die schulische Karriere eines Kindes auswirken (siehe dazu auch Elternbrief Nr. 13!). 

Voller Sorge warten Eltern darauf, dass sich die Kultusministerkonferenz endlich dieser Problematik annimmt. Es darf nicht sein, dass Kinder nach Methoden unterrichtet werden, 

Auch diese Frage sei gestattet: Wann endlich handeln Lehrer/-innen entsprechend verantwortlich?  

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Nr. 13

 

Die Marburger Studie belegt erneut:

Auch nach vier Jahren ist der Anteil an rechtschreibschwachen Kindern in Sommer-Stumpenhorst-Klassen am größten.

30.07.2007 - Zu viele Kinder, die nach der Methode Sommer-Stumpenhorst das Schreiben und Lesen lernen, sind von vornherein benachteiligt. Dieses Ergebnis förderte erneut die Marburger Studie, von der auf dieser Homepage immer wieder berichtet wurde,  zutage. Die Marburger Studie fokussierte die Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Rechtschreiben und Lesen:  "Das Hauptziel des Modellprojektes ist, durch verbesserten Unterricht im Schriftspracherwerb die Zahl von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Rechtschreiben und Lesen so gering wie möglich zu halten." (Aus: Modell Schriftsprach-Moderatoren (MSM), Zwischenbericht der wissenschaftlichen Begleitung nach zwei Jahren, - Kurzfassung - Wolfgang Deimel, Andreas Ziegler, Gerd Schulte-Körne, 2005) Darüber hinaus hieß es 2003 in einer Ankündigung des Staatlichen Schulamtes für den Schwalm-Eder Kreis und den Landkreis Waldeck Frankenberg, das die Studie inszeniert hatte: "Der Anfangsunterricht im Lesen und Schreiben in den Klassen 1 und 2 und die klasseninterne Förderung in den folgenden Jahrgangsstufen 3 bis 6 soll so weit verbessert werden, dass besondere Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten (LRS) möglichst von vornherein nicht entstehen bzw. sich nicht verfestigen können." (Heinrich Falb/Anne Krämer/Wolfgang Deimel)

 

Das knappe folgende Fazit alleine wäre jedoch eine zu kurz greifende Betrachtung: Bei der Endabrechnung in Sachen  'Schülerinnen und Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Rechtschreiben' landeten die Klassen mit dem Unterricht nach der Methode Sommer-Stumpenhorst lt. Studie auf dem letzten Rang - hinter den Klassen, die nach der Fibel Lollipop oder  mit beliebigen anderen Fibeln und Unterrichtsmaterialien unterrichtet worden waren. 

 

Anteile rechtschreibschwacher Kinder in den einzelnen Klassen nach 4 Jahren (in %): 

In der Gruppe LP fielen zwei Klassen wegen der Schwangerschaft der Deutsch-Lehrerinnen aus, in der Gruppe KG fielen zwei Klassen aus unbekannten Gründen aus, in der Gruppe SoStu wurde eine Gruppe von der Auswertung ausgeschlossen, weil im Deutschunterricht nicht mehr mit der 'Rechtschreibwerkstatt' weitergearbeitet wurde, warum auch immer.

   

LP=Gruppe Lollipop (Arbeit mit der Fibel Lollipop) 

KG=Kontrollgruppe (Arbeit mit beliebigen anderen Fibeln und Unterrichtsmaterialien)

SoStu= Gruppe Sommer-Stumpenhorst (Arbeit mit d. Methode und d. Materialien der Methode Sommer-Stumpenhorst) 

 

Datenquelle für alle graphischen Darstellungen: Wolfgang Deimel/Gerd Schulte-Körne: Modell Schriftsprach-Moderatoren (MSM): Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung nach vier Jahren. Universität Marburg, Dezember 2006

 

 

Der festgelegte Erwartungswert für den Anteil rechtschreibschwacher Kinder liegt bei 10%. Die Testuntersuchungen wurden nach deutschlandweit geltenden Normen durchgeführt. Wörtlich heißt es in dem Abschlussbericht von Wolfgang Deimel/Gerd Schulte-Körne für die Gruppe Lollipop: "Insbesondere die Rate Rechtschreibschwacher ist im Vergleich zur Deutschland-Norm jetzt nicht mehr erniedrigt, sondern entspricht genau der Norm." (Graphik unten!) Das heißt auch: In der SoStu-Gruppe erfüllen regelmäßig alle Klassen diese Norm nicht. Diese Ergebnisse belegen, dass  Elternbriefe-online seit Jahren zu Recht  vor der Arbeit mit der Rechtschreibstatt warnt. Mit der Methode Sommer-Stumpenhorst kann  das Hauptziel des Modellprojektes, "durch verbesserten Unterricht im Schriftspracherwerb die Zahl von Schülerinnen und Schülern mit besonderen Schwierigkeiten im Rechtschreiben und Lesen so gering wie möglich zu halten",  nicht erreicht werden: Die Quote rechtschreibschwacher Kinder wächst sogar über den Erwartungswert von 10% hinaus. Ohne Zweifel kann Sommer-Stumpenhorst auch sein zigtausendfach verbreitetes Versprechen aus 2001, alle nach seiner Methode unterrichteten Kinder zu Lernergebnissen  führen zu können, die deutlich über den Anforderungen der Lehrpläne liegen, nicht einlösen.

 

Durchschnittlicher Anteil an rechtschreibschwachen Kindern in den verschiedenen Gruppen nach 4 Jahren  (in %)

 

Laut Studie sind im Durchschnitt ca. 16% der nach der Methode Sommer-Stumpenhorst unterrichteten Kinder nach vier Grundschuljahren rechtschreibschwache Schüler. Mathematiker neigen dazu, aus interessanten Zahlenangeboten auch interessante Hochrechnungen  zu entwickeln, wie auch diese: Würden alle der in Deutschland derzeit alljährlich um die 850.000 neu eingeschulten Kinder nach der Methode Sommer-Stumpenhorst unterrichtet,  hätten wir hierzulande Jahr für Jahr mit ca. 135.000 (= 16%) rechtschreibschwachen Kindern nach Klasse 4 zu rechnen: Das wären annähernd 60% mehr, als wenn die Kinder mit der Fibel Lollipop, etwa 30% mehr, als wenn sie mit beliebigen anderen Fibeln und Unterrichtsmaterialien unterrichtet worden wären. Ein Rechnung, die nachdenklich stimmt!

 

Man erinnere sich an die atemberaubende Maßlosigkeit, mit der Norbert Sommer-Stumpenhorst  in 2001 in seiner Schrift "Richtig Schreiben lernen von Anfang an" den deutschen Grundschullehrern/-lehrerinnen die frohe Botschaft von der Wirksamkeit seiner Methode "Rechtschreibwerkstatt" verkündete: "Die Auswertungen der Lernstandskontrollen und die Arbeitsergebnisse zeigen, dass bei dieser Vorgehensweise alle Kinder einer Klasse zu Lernergebnissen kommen, die deutlich über den Anforderungen der Lehrpläne liegen." Insbesondere auch vor diesem Hintergrund bedeuten die jetzigen Ergebnisse - obschon es in den zahlreichen Untersuchungsbereichen auch einige Verbesserungen gab - eine desaströse Niederlage für die Methode Sommer-Stumpenhorst. Tausende von Grundschullehrern/-lehrerinnen haben über lange Zeit hinweg den Versprechungen des geschäftstüchtigen Schulpsychologen Glauben geschenkt. 

Inzwischen ist Sommer-Stumpenhorst wortreich bemüht, sein Geschäft vor Schaden und sich selbst vor weiterem Prestigeverlust zu bewahren: Wiederum wehrt er sich gegen wissenschaftliche Erkenntnisse, die erneut belegen,  dass die Methode "Rechtschreibwerkstatt" weit davon entfernt ist, die beste Schriftspracherwerbsmethode zu sein, die es je gab. Dass er sich dabei nur wenig an Fakten orientiert und bisweilen den Überblick verliert, soll einstweilen nur mit diesem einen Beispiel belegt bleiben:   

Die Enttäuschung des ansonsten cleveren Schulpsychologen Sommer-Stumpenhorst mag derzeit über die Maßen belastend für ihn sein, sein jetziges Gebaren ist indes kaum pfiffig genug, als dass es ihm bei der Selbstbefreiung aus seiner misslichen Lage behilflich sein könnte. Durchaus könnte es allerdings dem aufmerksamen Beobachter des Szenarios um die Methode Sommer-Stumpenhorst dabei helfen, seine Ansichten über die Bildungswirtschaft und ihre Akteure zu verfeinern.

So aber wird der Schulpsychologe Gödde mit dem smarten cover name 'Tommy43', einer der eifrigsten Wortführer im Mitarbeiterstab Sommer-Stumpenhorsts, das Renommee der Rechtschreibwerkstatt auch nicht sonderlich stärken können: Obschon Sommer-Stumpenhorst sein schrilles Versprechen, alle Kinder der nach seiner Methode unterrichteten Klassen zu Lernergebnissen zu führen, die deutlich über den Anforderungen der Lehrpläne liegen, nicht im Entferntesten einlösen konnte, gratulierte Gödde  ihm auf dessen Forum  mit den Worten: „Hallo! Auch von mir noch einmal Gratulation zu den guten Ergebnissen. ... Tommy“.  Zögen wir aus Göddes Prozedere ein Fazit, könnte uns das ermutigen, demnächst auch  bei der 0:6 - Niederlage 'unseres' Fußballclubs eine Gratulationsbotschaft an dessen Präsidenten zu verschicken: "Hallo, Gratulation zum guten Ergebnis." 

"Nichts ist phantastischer als die Realität",  sagte einmal  der französische Lyriker Jacques Prévert (Surrealist). Er hatte wohl Recht.  

 

Rechtschreibschwache Kinder: 

Auch nach 4 Jahren hat die Gruppe SoStu den größten Anteil an rechtschreibschwachen Kindern:

Bei der Endabrechnung landeten im Rechtschreiben und Lesen die Klassen mit dem Unterricht nach der Methode Sommer-Stumpenhorst auf dem letzten Rang - hinter den Klassen, die nach der Fibel Lollipop oder  mit beliebigen anderen Fibeln und Unterrichtsmaterialien (Kontrollgruppe) unterrichtet worden waren. 

Datenquelle: Wolfgang Deimel/Gerd Schulte-Körne: Modell Schriftsprach-Moderatoren (MSM): Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitung nach vier Jahren. Universität Marburg, Dezember 2006

Für Eltern von mit einer Rechtschreibschwäche betroffenen Kindern und für die RS-Kinder selber sind diese Ergebnisse hochsignifikant. Die ganze Wahrheit ist indes noch viel bedrohlicher. Das dürften auch Norbert Sommer-Stumpenhorst und Thomas Gödde wissen. Damit und mit dem zweiten Teil der Marburger Studie befasst sich demnächst ausgiebig Elternbrief Nr. 16: Das Ende eines Mythos - Lesen durch Schreiben und die Methode Sommer-Stumpenhorst

Norbert Sommer-Stumpenhorst, beamteter Schulpsychologe und Geschäftsmann/Unternehmer! Als Schulpsychologe dürfte er das sicherlich nicht*, als Geschäftsmann aber darf Norbert Sommer-Stumpenhorst natürlich auch weiterhin behaupten: "Die Auswertungen der Lernstandskontrollen und die Arbeitsergebnisse zeigen, dass bei dieser Vorgehensweise alle Kinder einer Klasse zu Lernergebnissen kommen, die deutlich über den Anforderungen der Lehrpläne liegen." Jedenfalls darf er das so lange, bis  jemand sein Trommeln für unlauteren Wettbewerb hält. 

*Ethische Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychologie e.V. und des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.     

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Nr. 12

 

NRW-Schulministerin Barbara Sommer:

"Ich kann das Klagen nicht mehr hören!"

Ein Schulleiter gibt Widerworte

 

Eigentlich hatte ihre Stippvisite in der Eifel am 5. März 2007 so etwas wie eine Goodwilltour werden sollen: sich mal sehen lassen bei CDU-Freunden auf dem Lande, ein wenig plaudern über Familie und Hund, ein wenig parlieren über Bildung und so, ein bisschen auch den Status genießen. Das hinter dem alten Gemäuer des Klosters Steinfeld versammelte Auditorium, Eltern und Lehrer, war indes nur wenig geneigt, sich an diesem Nachmittag von der Schulministerin mit epischen Texten unterhalten zu lassen. Sie mag denn auch ein wenig  erschrocken gewesen sein, als sich dann welche aus dem Eifelland keck erdreisteten, einer Ministerin Fragen zu formulieren, die sie, wie sich dann zeigte, ganz und gar für unschicklich erachtete. Schließlich wagte der Leiter der dörflichen Schule in Reifferscheid  sogar den ihm von der Realität diktierten Satz: "Nach 41 Jahren im Schuldienst kann ich nur sagen: Nie war es so schlecht wie heute!". Nichts ahnend von dem, was der sorgenbeschwerte Schulmann ihr sonst noch vortragen wollte, verlor die Ministerin augenblicklich ihre Contenance – und auch die Lust am Fabulieren kam ihr abhanden. "Ich kann das Klagen nicht mehr hören!", entfuhr es ihr, und: "Nach so vielen Jahren im Dienst hätte ich von Ihnen etwas anderes erwartet!", beeilte sie sich hinzuzufügen. Dass sie damit Unmut und vielfaches Entsetzen bei ihrer Zuhörerschaft hervorrief, beeindruckte sie augenscheinlich recht wenig.  Gottlob verschlug es auch dem mutigen Schulrektor nicht die Sprache, die nur allzu berechtigte Sorge um 'seine' Kinder trieb ihn offenbar, dennoch mit seiner Klage fortzufahren:

 

·        In einer dritten Klasse seiner Schule hatten zeitweise zehn verschiedene Lehrer und Lehrerinnen vor der Klasse gestanden, drei davon als Aushilfen von einer Nachbarschule. 

·        In der Parallelklasse hatte es innerhalb von zweieinhalb Jahren sechs Klassenlehrerwechsel gegeben. 

·        Eine erste Klasse hat nach dem ersten Halbjahr nun schon die dritte Klassenlehrerin. 

·        Darüber hinaus war ständig einen hoher Fehlbedarf an Lehrerstunden zu beklagen.

 

Hatte man etwa vergessen, die Ministerin zu unterrichten? Nein, hatte man nicht, zusätzlich war auch die Schulpflegschaft tätig gewesen. Die Ministerin stritt forsch ab, jemals Briefe mit entsprechenden Informationen erhalten zu haben. Auch das: Der Aufforderung einer jungen Lehrerin, sich bei dem altgedienten Schulmann zu entschuldigen, kam die Ministerin explizit nicht nach. Ein Gymnasiallehrer erfuhr darauf bei einem letzten Widerwort viel Sympathie und die volle Zustimmung des Auditoriums: "Ich bin enttäuscht von Ihnen!". Am Rande der Veranstaltung wussten dann Eltern und Lehrern von eben solchen oder noch ungünstigeren Verhältnissen an Grundschulen zu berichten. Auch dass Vertretungslehrerinnen, die - gewöhnlich über längere Zeit hinweg - zur Vertretung an Nachbarschulen eingesetzt werden, an ihren Stammschulen ebenfalls Unterrichtslücken verursachen, wurde diskutiert: Über Tage oder Wochen hinweg müssen dann auch dort Klassen aufgeteilt und zusammengelegt werden, und oft genug sitzen dann Kinder, auch schon einmal Erst-, Dritt- und Viertklässler beisammen,  in zu engen Klassenräumen auf Fensterbänken oder gar  auf dem Fußboden. Schulausfall gebe es so  zwar nicht, jedoch Unterrichtsausfall schon, da war man sich einig, und diese übliche Praxis sei der durch einen ministeriellen Erlass vorgeschriebene Versuch, Eltern über den tatsächlichen Unterrichtsausfall zu täuschen. Diskutiert wurde auch, dass gerade in diesen Tagen die Sprachstandsfeststellungen an Kindergärten durchgeführt wurden: mit Beteiligung von Grundschullehrerinnen und – mit Unterrichtsausfall als Folge. Empörte Eltern hatten sich erhellende Einblicke verschafft und konnten die konkreten Folgen detailliert beschreiben. Bei Eltern und Lehrerinnen wäre der Unmut sicherlich noch größer gewesen, hätten sie Kenntnis von dem folgenden Statement der Schulministerin Sommer gehabt (abgegeben nur wenige Tage zuvor auf einer Pressekonferenz am 12. Februar 2007):

·        „Zusätzliches Personal an den Grundschulen ist für diese Aufgaben nicht erforderlich. Die Grundschulen verfügen über deutlich mehr Personal als zur Erteilung des Unterrichts laut Stundentafel rein rechnerisch nötig ist. Auf dieses Personal werden wir zurückgreifen. Für die Praxis bedeutet das: Es wird zu keinem Ausfall von Regelunterricht im Rahmen der Sprachstandsfeststellungen kommen. (Quelle: Grundschulverband/Homepage)

Das dürfte einmalig in der Schulgeschichte Nordrhein-Westfalens sein: Bereits nach nicht einmal zweijähriger Amtstätigkeit hat eine  Schulministerin inzwischen bei Eltern und Lehrern so gründlich Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit, an Führungsqualität und Sachkompetenz aufkommen lassen, dass zunehmend offen über ihre Ablösung spekuliert wird.

 

Immerhin hat die Schulministerin Barbara Sommer - störungsfrei und fast unbemerkt - für alle Eltern, Kinder, Lehrerinnen und Lehrer in diesem Lande eine bedeutsame und zukunftsweisende Innovation auf den Weg gebracht: Auf der Homepage des Ministeriums für Schule und Weiterbildung NRW posiert sie unter dem Titel "Bilder von der Ministerin' auf 19 Fotos für alle, die sie gerne immer wieder mal anschauen wollen: 

 www.schulministerium.nrw.de/BP/Ministerium/Ministerin_Sommer/Bilder_Ministerin_Sommer2/index.html

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Nr. 11

 

Das Professoren-Duo Brügelmann/Brinkmann:

Wie wissenschaftlich ist ihre Wissenschaft?

 

Für die landesweite Verbreitung der Methode „phonics training“ sorgte in den USA in 2001 der amerikanische Präsident George W. Bush. Schon vor seiner ersten Amtsperiode hatte er versprochen, der „Education President“ zu werden. So legte er im Rahmen eines zunächst vielversprechenden Bildungsprogramms mit dem Namen „No Child Left Behind“ auch das Sprachprogramm „Reading First“ auf, für das in den folgenden fünf Jahren jeweils eine Milliarde Dollar bereitgestellt wurde. Mit diesem Programm sollte auch die Lesefähigkeit der Schüler (students – in den USA werden alle Schüler als „students“ bezeichnet) verbessert werden. Außerdem sollten Schüler nur noch nach wissenschaftlich abgesicherten effektiven Unterrichtsmethoden unterrichtet werden, mit Hilfe von standardisierten Tests sollten alljährliche Leistungsüberprüfungen stattfinden.

Das Professoren-Duo Brügelmann und Brinkmann, die Protagonisten des Offenen Unterrichts und des Freien Schreibens mit Anlauttabelle schlechthin, definiert das US-amerikanische „phonics training“ in der November-Ausgabe 2006 der Grundschulzeitschrift „Grundschule heute“ ganz so, wie es beide wohl am liebsten hätten:

·        "Dagegen steht im deutschen Sprachraum beim Spracherfahrungsansatz das freie Schreiben im Vordergrund. Beim Konstruieren der Schriftform tun die Kinder genau das, was in der US-amerikanischen Forschung am „phonics training“ der dortigen primers gelobt wird: Wörter in ihre Laute zerlegen und über Buchstaben-Laut-Beziehungen wieder aufbauen.“

Mit ihrer Definition für das "phonics training"  liegen Brügelmann/Brinkmann um Lichtjahre entfernt von dem, was „phonics training“ in den USA nun wirklich ist. Zum freien Schreiben oder zu den individuellen Konstruktionsversuchen mit der Anlauttabelle lässt sich absolut keine Verwandtschaft nachweisen.

Der Bericht dazu in: Elternbrief Nr. 11

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Nr. 10

 

NRW-Schulministerin

Sommer verstößt gegen ihr

eigenes Gesetz  

Die Zahl der Schulanfänger nimmt ab - doch die Eingangsklassen werden größer  

Lommersdorf ist ein kleines schmuckes Eifeldorf, das zur Ahr-Gemeinde Blankenheim, ganz im Süden des Landes NRW, gehört. Seit Wochen schon hatte die Bewohner des Dorfes ein Gerücht beunruhigt, das jedoch plötzlich am 23.11.2006 in der Schulausschusssitzung der Gemeinde Blankenheim mit allen Merkmalen eines von der Schulministerin Sommer verordneten Faktums ausgestattet wurde: Die Grundschule des Ortes wird zum Schuljahr 2006/07 geschlossen. Die von Düsseldorf gelieferte Begründung: Das Schulgesetz schreibt für Eingangsklassen der Grundschulen eine Mindestzahl von 18 Schülern vor. Schlecht steht es um die Zukunft der Dorfschule in Lommersdorf, denn es liegen in diesem Jahr lediglich 17 Anmeldungen vor.  Für die Kinder von Lommersdorf bedeutet dies: Ihren Schulweg werden sie demnächst mit dem Bus zurücklegen müssen – ins 13 km entfernte Blankenheim. Da inzwischen die Einschulung mit fünf Jahren zum Gesetz wurde, gilt das das auch für die Fünfjährigen. Kinder-, erziehungs-, bildungsfreundliches Deutschland!  

Die Blankenheimer Lehrerinnen und Eltern hatten sich bereits gefreut: Aus ihren 41 angemeldeten Kindern hätten sich eine 20- und eine 21-Kinder-starke Klasse bilden lassen - mit optimalen individuellen Fördermöglichkeiten für die Kinder - ganz so, wie es das neue Gesetz der Schulministerin Sommer vorschreibt: 

 

„Mit dem Schulgesetz vom 27. Juni 2006 setzt das Land NRW den Rahmen für ein dynamisches und leistungsfähiges Schulsystem. Ziel ist die Schaffung eines Schulwesens, in dem jedes Kind und jeder Jugendliche unabhängig von seiner Herkunft seine Chancen und Begabungen optimal nutzen und entfalten kann. Die individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schüler ist zentrale Leitidee des Schulgesetzes.“

 

Und nun gilt in Blankenheim ganz offensichtlich doch nicht die „zentrale Leitidee“ des Schulgesetzes der Schulministerin! Die 17 Lommersdorfer Kinder werden auf die beiden Klassen in Blankenheim (zus. 41 Kinder) verteilt, daraus werden folglich zwei 29er Klassen. Nach den gültigen nordrhein-westfälischen Richtlinien hätten aber auch zwei 35er Klassen entstehen dürfen, wenn die Zahl der in Blankenheim angemeldeten Kinder bei 53 gelegen hätte: Erst ab einer Klassengröße von 36 Kindern dürfen in NRW Grundschulklassen geteilt werden. Es ist nicht anzunehmen, dass Frau Sommer - ehemalige Lehrerin - nicht weiß, dass die individuelle Förderzeit für jedes Kind mit zunehmender Größe einer Klasse abnimmt. Die Interpretationsmöglichkeiten für ihr Verhalten sind daher begrenzt: Sie verstößt wissentlich gegen ihr eigenes Gesetz. Sollen es doch die Lehrerinnen – wie auch immer - vor Ort richten!  Diese Entwicklung in ländlichen Regionen wird in den meisten Bundesländern fortschreiten und bald auch die großen Städte erreicht haben: Weniger Grundschulen – mit noch größeren Klassen. Im niederrheinischen Mönchengladbach ist die Realität dieser Schulpolitik bereits angekommen. Es wird für Deutschland schwer werden, den bei PISA II errungenen Rang im unteren Mittelfeld auch weiterhin verteidigen zu können.

Wie man Kinder optimal und individuell fördert, zeigen die Sieger bei PISA II: Finnland - oder aber auch Südtirol (!).  Südtirol stand im Lesen ganz oben auf dem Siegertreppchen, war also noch besser als Finnland, belegte in Mathematik den fünften Platz und schlug sogar den deutschen "Spitzenreiter" Bayern um Längen. Und Bayern lag seinerzeit schon – viel gelobt deswegen - weit vor dem abgeschlagenen Deutschland, das allerdings insgesamt noch besser abschnitt als das noch deutlich schlechter positionierte Land NRW (oder auch Hessen). In Südtirol darf es Klassen mit nur 8 Kinder geben, darf eine Schule wie die in Mittewald (Gem. Franzesfeste) mit 18 Kindern in 2 Klassen über 5 Lehrerinnen verfügen oder die in Natz (Schabs) mit 60 Kindern in 5 Klassen über 8 Lehrerinnen und eine zusätzliche Integrationslehrerin. Diese Schüler–Klasse–Lehrer–Relation ist Standard landesweit. Die für Südtirol guten Ergebnisse bei PISA II zeigen, mit welchem Grad von Verantwortung das Land und die für Schule verantwortliche Ministerin sich um die Lebensbiographien ihrer Kinder sorgen. Dort hat sich offenbar herumgesprochen, wie man wirkungsvoll in die Zukunft eines Landes investiert.

Allein im Fall Lommersdorf in der kleinen Gemeinde Blankenkeim hat die Schulministerin Sommer immerhin eine Lehrerin eingespart, in ganz NRW könnten es zum kommenden Schuljahr Hunderte sein. Hatte die CDU nicht publikumswirksam vor den Wahlen in 2005 noch versprochen: „Wegen des Rückgangs bei den Einschulungskindern werden wir keine Lehrer und Lehrerinnen von den Grundschulen abziehen!“?  War nicht,  angesichts der Tatsache, dass Kinder heute in veränderten „sozialen Strukturen“ leben, in einer kaum zu überblickenden kinderschädlichen „Medienwelt“ aufwachsen und zunehmend unterschiedliche „Kindheitsmuster“ entwickeln, sogar zugesagt worden, die Zahl der Lehrer/Lehrerinnen in den Grundschulen noch zu erhöhen? Wenn in Nordrhein-Westfalen die Klassengrößen der einzelnen Schulformen diskutiert werden, weichen verantwortliche Schulpolitiker regelmäßig in nicht nachgefragte Schwatzhaftigkeiten jenseits von Realität und Wahrheit aus. Zwar werden sie nicht müde, immer wieder auf die PISA-Sieger als Vorbilder zu verweisen, sind aber blind für die Tatsache, dass mit einem Lehrer-Schüler-Verhältnis von 1:24 im Grundschulbereich Deutschland  das Schlusslicht sämtlicher OECD-Länder bildet: Der Durchschnitt liegt bei 1:15. Das heißt: In Nordrhein-Westfalen stehen einer Schule mit 240 Kindern 10 Lehrer zu, dem OECD-Durchschnitt zufolge wäre mit 16 Lehrern zu rechnen.

In NRW ist die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer aufgerufen, endlich ihren Fürsorgepflichten für die Kinder des Landes nachzukommen, anstatt Eltern und Lehrerinnen/Lehrern auch weiterhin potemkinsche Dörfer vorzuführen. So lange bei uns unfähige Schulpolitiker noch das Sagen haben und wissenschaftsferne Konzepte sowie finanzstrategische Überlegungen, getarnt als Schulreformen, die wesentlichen Steuerelemente der Bildungspolitik sind, bleibt unser Land ein schulisches Entwicklungsland.

 

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 Nr. 9

 

Warum Südtirol bei PISA II so erfolgreich war

Unredlich: Das Professoren-Duo Brügelmann/Brinkmann verschweigt  Eltern und Lehrerinnen die wahren Hintergründe

 

(12.11.2006) Nach Jahrzehnten erfolglosen und verhängnisvollen Herumexperimentierens mit den verschiedensten Formen Offenen Unterrichts, besonders im Anfangsunterricht mit Methoden wie „Lesen durch Schreiben“, „Sommer-Stumpenhorst“ und „Tinto“, steht seit PISA II (2003) und der IGLU-Grundschulstudie (2001) für die Länder NRW und Hessen fest:   

 

 

Nachdem inzwischen zahlreiche Studien belegen,  dass Methoden wie „Lesen durch Schreiben“, die Methode „Sommer-Stumpenhorst“ und die Methode „Tinto“- allesamt verbunden mit der Philosophie des unkontrollierten Freien Schreibens - , für viele Kinder ungeeignet sind, verschaffen sich in jüngster Zeit Vereinfacher wie die Professoren Brügelmann und Brinkmann zunehmend und lautstark Gehör. Ihr ständiges Motto: „Und es geht doch!“

 

Dabei berufen sie sich auf die PISA–II-Ergebnisse für Südtirol. Wahr ist: Bei Pisa 2003 stand Südtirol im Lesen ganz oben auf dem Siegertreppchen, belegte in Mathematik den fünften Platz und schlug sogar den deutschen "Spitzenreiter" Bayern um Längen. Dass Südtiroler Lehrer/Lehrerinnen immer da, wo es möglich und sinnvoll ist, strukturiert offen unterrichten, ist bekannt, sie machen vor Ort aber auch klar, dass 0hne  Lehrerorientierung (Lehrgangs-/Frontalunterricht) Unterricht nicht denkbar ist.

 

1.264 Schüler und Schülerinnen, das waren 96,13% der in Frage kommenden Schüler/innen, nahmen seinerzeit in Südtirol am PISA-Test teil. Damit war die Quote der effektiven Beteiligung sehr hoch und lag weit über dem internationalen Durchschnitt und über jenem, den die OECD als Mindestteilnahme gefordert hatte.

 

Die Professoren Brügelmann und Brinkmann, die Protagonisten des Offenen Unterrichts und des Freien Schreibens schlechthin, deuten den Südtiroler Erfolg auf ihre Weise und ganz in ihrem Sinne: „Die sehr positiven Ergebnisse bei PISA-II (2003) stellen keine direkte Evaluation freien Schreibens dar. Sie belegen aber, dass ein Bildungssystem sehr positive Ergebnisse erreichen kann, wenn es dieses Konzept in einen sowohl didaktisch als auch innovationsstrategisch umfassenden Reformansatz einbaut. Dazu zählen eine Förderung des selbstständigen Lernens in allen Fächern und auf allen Schulstufen, die Unterstützung des freien Lesens und Schreibens (im Unterricht und außerschulisch) und eine intensive, auf die didaktisch-methodische Reform abgestimmte Lehrerfortbildung“ (Brügelmann/Brinkmann: Freies Schreiben im Anfangsunterricht? Internet – Aufsatz 2006.). Mit dieser Interpretation diskreditieren sich die Professoren Brügelmann und Brinkmann allerdings selbst. Von seriösen Wissenschaftlern muss eigentlich erwartet werden können, dass ihre Darstellung objektiver Befunde nicht markant von der eigenen Interessenslage her geprägt wird.

 

Landesregierung, Presse, Wissenschaftler und Gewerkschaften führten nämlich vor Ort in Südtirol die beindruckenden Resultate zurück auf 

 

 

 

·        die relativ geringen soziale Probleme im Lande,

·        die hervorragende Ausstattung der Schulen,

·        die guten allgemeinen schulischen Rahmenbedingungen,

·        das ausgezeichnet funktionierende öffentliche Bibliothekswesen in Südtirol, die vorbildlich ausgestatteten  Schulbibliotheken an jeder Schule, die in der Regel von Berufsbibliothekaren betreut werden,

·        den Schulbau, die moderne technische Ausstattung, die architektonische Schaffung von Strukturen, in denen menschliches Wohlfühlen für Lehrer und Schüler/Schülerinnen gleichermaßen geboten wird,

·        die Aufgeschlossenheit der Eltern für Bildung: Rund zwei Drittel aller Schülerinnen und Schüler kommen aus Familien von Arbeitnehmern, für die Bildung ein ganz besonderes Anliegen ist, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen,

·        die besondere Situation ethnischer Minderheiten (Europaweit schlossen nämlich die ethnischen Minderheiten bei PISA II hervorragend ab. Neben Südtirol brillierten die katalanische und baskische Minderheit in Spanien, die deutschsprachige Gemeinschaft in Belgien, die autonome Schule Schwedens sowie Nordirland, Wales und Schottland mit außerordentlichen Testergebnissen. Für Wissenschaftler ist das ein Beweis für die positiven Auswirkungen sprachlicher Vielfalt auf die gesamte Lernfähigkeit.),

·        die Lehrerfortbildung,

·        die geringen Klassengrößen.

 

Den in Wirklichkeit entscheidenden Faktor für erfolgreiche Individualisierung schon in den Grundschulen unterschlagen Brügelmann und Brinkmann in ihrer Würdigung der Tiroler Ergebnisse: die Klassengrößen. Auf immer mehr Professoren der unterschiedlichsten Disziplinen scheint ganz offenbar diese immer bedeutsamer werdende Erkenntnis anwendbar zu sein: Redliche Wissenschaft bleibt oft auf der Strecke, wenn die eigenen verhärteten Positionen von überzeugenden neuen Realitäten bedroht sind.   

 

Klassengrößen in Südtirol: ein eindrucksvolles Beispiel aus der Gemeinde Vahrn

(Bitte die einzelnen Schulen anklicken!)

Schüler und Lehrpersonen im GS-Sprengel VAHRN 
Schuljahr 2006/2007

Die Integrationslehrerinnen und  Religionslehrerinnen für jede Schule sind nicht aufgeführt

 

 

Schulen (anklicken)

Klassenlehrer/innen

VAHRN
8 Klassen - 121 Schüler

Salcher Kinigadner Hermine,  Zelger Pattis Martha, Goller Sigmund Anna, Plaikner Mair Renate, Brugger Cerboni Helga, Plattner Martha, Lerchegger Carmen, Bachmann Überbacher Bernadette, Renzler Katja, Weger Sigrid, Gatterer Jolanda, Bacher Karin

NEUSTIFT
5 Klassen-73 Schüler

Prantner Larcher Edith, Reinthaler Eugen, Olivotto Rossmann Monika,  Albertini Elmar, Deltedesco Martha, March Unterkicher Annelies, Musto Elena, Faller Bernadette

SCHALDERS
2 Klassen-21 Schüler

Zingerle Mitterer Irene, Larcher Herbert, Oberrauch Kinigadner Annelies

NATZ
5 Klassen-60 Schüler

Tröbinger Florian, Larcher Engelbert, Überbacher Mitterrutzner Gabriela, Unterrainer Peintner Martha, Tauber Siller Ruth, Gasser Gasteiger Margareth

SCHABS
5 Klassen-49 Schüler

Überbacher Unterkircher Marianne,  Mayrhofer Knollseisen Anita, Mayrhofer Alexander, Pichler Unterkircher Margareta, Peintner Gasser Stefania, Zingerle Mitterer Irene, Peintner Brunner Margareth, Plankensteiner Trenkwalder Margareth

RAAS
3 Klassen-36 Schüler

Pardatscher Tarsia Kunigunde,  Balzarek Ferretti Monika, Rungg Peintner Annamarie, Oberhauser Andrea

AICHA
2 Klassen-26 Schüler

Faller Bernadette, Hofer Petra, Bodner Waltraud

FRANZENSFESTE
2 Klassen-18 Schüler

Oberhuber Dr. Helga,   Steinmayr Bacher Doris, Oberarzbacher March Judith

MITTEWALD
2 Klassen-18 Schüler

Zingerle Anna, Soratroi Margarethe, Oberarzbacher March Judith

 

 

Die größte Grundschule in der Gemeinde Vahrn

 

Erfolgreicher Unterricht für Kinder und Lehrerinnen

 

 

 So kann klassenübergreifender Unterricht gelingen:

 

 

 

Professoren wie Brügelmann und Brinkmann verschweigen Eltern und Lehrern/Lehrerinnen die ganze Wahrheit und gaukeln ihnen vor, insbesondere auch durch die Umsetzung brügelmannscher/brinkmannscher Positionen sei der große Erfolg (im Lesen) der Südtiroler Schulen zu erreichen gewesen:

 

 

·        „Förderung des selbstständigen Lernens in allen Fächern und auf allen Schulstufen“

·        „die Unterstützung des freien Lesens und Schreibens (im Unterricht und außerschulisch)“

·        „eine intensive, auf die didaktisch-methodische Reform abgestimmte Lehrerfortbildung“

 

 

Das ist alles andere als redlich! Die vor Ort in Südtirol vorgetragenen Begründungen (s.o.) unterschlagen Brügelmann und Brinkmann wohlweislich und ziehen es anstatt dessen vor, pauschal von einem „innovationsstrategisch umfassenden Reformansatz“ zu sprechen. Mit einem solchen Advokatenkniff wird die Wahrheit um entscheidende Tatsachen – Beispiel Faktor „Klassengröße“ – verkürzt.

Brügelmann und Brinkmann scheinen tatsächlich keine Gelegenheit auslassen zu wollen, Methoden wie „Lesen durch Schreiben“, die Methode „Sommer-Stumpenhorst“, die Methode „Tinto“- allesamt verbunden mit der Philosophie des unkontrollierten Freien Schreibens -,  als einzig heilsbringend zu proklamieren.

Grundschullehrer/innen hierzulande müssen sich indes als Folge des Verschweigens der wahren Gründe für den Erfolg in Südtirol diskriminiert fühlen und sich von Dienstvorgesetzten als innovationsresistent beschimpfen lassen,

 

 

·        wenn sie sich in Klassen mit inzwischen schon regelmäßig über 30 Kindern (mögliche und tatsächliche praktizierte Klassengröße in NRW: 35 Kinder) oder an Brennpunktschulen außerstande sehen, im brügelmannschen/brinkmannschen Sinne offen zu unterrichten.

 

 

Wissenschaft ist das nicht mehr, zur Wissenschaft gehört auch Redlichkeit! Wissenschaft hat der Wahrheit zu dienen, ganz sicherlich aber nicht aber den persönlichen Eitelkeiten und der eigenen Profilierung.

 

 

Wissenschaftliche Untersuchungen, die beweisen könnten, ob Methoden wie „Lesen durch Schreiben“, die Methode „Sommer-Stumpenhorst“ sowie die Methode „Tinto“ in Klassen mit 34 oder 35 Kindern oder an Brennpunktschulen überhaupt einsetzbar sind, sind bisher erfolgreich verhindert worden (Siehe dazu Elternbrief Nr. 9: Der Offene Unterricht, Teil II : Offener Unterricht in der Grundschule - Unterrichtsformen gegen die Wirklichkeit des Grundschülers!). Folglich darf weiterhin im Stil schrillen Werbegeschreis verkündet werden: „Geht nicht? Gibt’s nicht!“  Alles in allem: Ein unehrliches Spiel - mit alljährlich Tausenden von geschädigten Kindern, die ohne ihr eigenes Verschulden zu Verlierern werden und schon wurden.       

Dass die Schulminister der Bundesländer gar nicht erst wirklich wissen wollen, wie man „gute Schule“ macht – wen wundert’s. 

 

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Nr. 8

 

 

 

 

NRW-Schulministerin Barbara Sommer:

 

Überfordert und kopflos – und wer dümpelt da eigentlich vor sich hin?

 

Eltern und Lehrerinnen/Lehrer hatten sich von ihr die Wende erhofft: Nach fast 40 Jahren verfehlter Schulpolitik in NRW sollte sie die Weichen neu stellen: Barbara Sommer, Schulamtsdirektorin aus Gütersloh. 

Inzwischen wissen Eltern und Lehrerinnen/Lehrer: Den bei ihrem Amtsantritt übernommenen Baustellen hat sie weitere neue hinzugefügt - und dabei völlig den Überblick verloren.  So entpuppte sich z. B. der jüngste Probedurchlauf zum  Zentralabitur in NRW ein halbes Jahr vor seiner geplanten Einführung als Desaster. Im Vergleich zu den Abiturklassen des Vorjahres sackten die Schüler deutlich ab. Allein in Mathematik wurden 42 Prozent der Schülerinnen/Schüler mit "nicht ausreichend" bewertet. Der Testlauf für die ebenfalls geplanten zentralen Prüfungen in der zehnten Klasse brachte ähnlich schlechte Ergebnisse.

Angesprochen auf das Schulgesetz zur individuellen Förderung aller Schülerinnen und Schüler vom 27. Juni 2006 reagieren inzwischen Lehrerinnen/Lehrer aller Schulformen gereizt. In der mittlerweile üblich schrillen Manier wurde das neue Gesetz seinerzeit medienwirksam in Szene gesetzt und auch über die Homepage des Schulministeriums verkündet: 

·        Mit dem Schulgesetz vom 27. Juni 2006 setzt das Land NRW den Rahmen für ein dynamisches und leistungsfähiges Schulsystem. Ziel ist die Schaffung eines Schulwesens, in dem jedes Kind und jeder Jugendliche unabhängig von seiner Herkunft seine Chancen und Begabungen optimal nutzen und entfalten kann. Die individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schüler ist zentrale Leitidee des Schulgesetzes.

Geschehen ist seitdem nichts: ein paar flüchtige euphorische Erklärungen, keinerlei Konkretisierungen, keinerlei Ausführungsbestimmungen – Phrasen, die gibt’s allerdings zuhauf. Einzuwenden aber hat die Schulministerin offenbar auch weiterhin nichts dagegen, Schülerinnen/Schüler in Grundschulklassen mit sogar 34 oder 35 Kindern „materialzentriert“ mit den marktschreierisch angebotenen völlig ungeeigneten Materialien individuell zu beschäftigen (!). Wirkliche individuelle Förderung geht allerdings ganz anders, das sollte eine Schulministerin schon wissen! An kleinere Klassen und an den Einsatz von Schulassistenten und speziell und langjährig ausgebildeten Diagnose- und Förderlehrern – wie im PISA-Siegerland Finnland – ist hierzulande nicht gedacht. Für NRW reicht eine Ausbildung zum Diagnose- und Förderlehrer im Schnellsiedeverfahren. Um es klar zu sagen: Die in dem Schulgesetz aufgestellten Forderungen und Aufgaben kann keine Schule, kein(e) Lehrer/in auch nur im Entferntesten erfüllen, dazu fehlen sämtliche Voraussetzungen. Das Schulgesetz vom 27. Juni 2006 weist in höchstem Maße alle Züge einer Narkotisierungsmaßnahme für Eltern auf: Ruhigstellung bis zur nächsten   PISA-Studie!  Es liegen Berichte vor, dass nicht einmal bei dauerhafter Erkrankung von Lehrerinnen/Lehrern genügend Vertretungskräfte zur Verfügung stehen: So müssen Klassen aufgeteilt und zusammengelegt werden, und in den oft zu engen Klassenräumen sitzen Kinder auf Fensterbänken und auf dem Fußboden und wollen beschäftigt (!) werden. Da hocken dann beengt auch schon einmal Erst-, Dritt- und Viertklässler beisammen. Das erinnert an die Katastrophenjahre nach dem Zweiten Weltkrieg! Eltern und Lehrerinnen/Lehrer wissen davon zu berichten, dass sich solche Zustände auch schon einmal über Wochen hinziehen können.

Die für das Versagen der Schule Verantwortlichen hat indes die Schulministerin Barbara Sommer längst ausgemacht: Vor dem Hintergrund des Schulgesetzes zur individuellen Förderung und der Realsituation in den Schulen beschimpfte und diskriminierte sie jüngst Lehrer/Lehrerinnen, denen sie selbst den Königsweg individueller Betreuung für Kinder – mit personaler Nähe des Lehrers/der Lehrerin – verbaut hat. In einem Interview mit der WAZ (06.10.2006) attackierte sie ihre Lehrer/Lehrerinnen:

·        Wir schicken jetzt Qualitätsprüfer in die Schulen.

·        Lehrer mit Defiziten werden im Kollegium identifiziert und isoliert.

·        Bislang konnte man so vor sich hin dümpeln.

 

 

Lehrer mit Defiziten werden im Kollegium identifiziert und isoliert*.“ Die Sprache ist verräterisch, und auch der angekündigte Handlungsstil erinnert an Deutschlands dunkelste Zeiten. Besonders entsetzt mag man darüber sein, ausgerechnet bei der Chef-Pädagogin des Landes NRW auf solche Sprach- und Denkweisen zu treffen. Die Schulministerin Barbara Sommer hätte außerdem wissen können: Solche Attacken sind in der Regel nicht geeignet, vom eigenen Versagen abzulenken.

Eine solche Ministerin verträgt unsere Demokratie nicht.

*In Synonymwörterbüchern findet sich übrigens für „isolieren“ als vorrangiges Synonym das Verb „eliminieren“. 

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Nr. 7

 

Suspekte "Studie" zur Methode Sommer - Stumpenhorst

Wie ausgerechnet Schulpsychologen  bei Eltern und Lehrern für Unmut sorgen

(30.10.2006) Seit langem schon bemüht sich der Schulpsychologe Thomas Gödde von der regionalen  Schulberatungsstelle für den Hochsauerlandkreis um die Verbreitung der „Rechtschreibwerkstatt“ des Schulpsychologen Norbert Sommer-Stumpenhorst. Die "Rechtschreibwerkstatt" ist  ein Produkt der Rechtschreibwerkstatt GbR/Graf Orthos Rechtschreibwerkstatt GmbH & Co. KG/Graf Orthos Rechtschreibwerkstatt – Beteiligungs – GmbH. 

 

 

Name der Firma

Sitz

Eintragung beim Amtsgericht

Graf Orthos Rechtschreibwerkstatt GmbH & Co. KG

Beckum

Münster HRB 10262

Kommanditisten: Norbert Sommer-Stumpenhorst, Beckum

                                Sascha Görlich, Gießen

Graf Orthos Rechtschreibwerkstatt - Beteiligungs- GmbH

Beckum

Münster HRA 7737

Gesellschafter: Norbert Sommer-Stumpenhorst, Beckum

                             Sascha Görlich, Gießen

Rechtschreibwerkstatt GbR

Beckum

Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts erfordert keine Eintragung im Handelsregister.

 

 

Regelmäßig organisiert oder leitet Thomas Gödde  zu diesem Zweck in der sauerländischen Kleinstadt Meschede Einführungs- und Fortbildungsveranstaltungen. Darüber hinaus tritt er im Forum von Sommer-Stumpenhorsts „Rechtschreibwerkstatt“ unter dem Namen „Tommy43“  in wechselnden Rollen in Erscheinung,  z. B.:

 

Tommy43 als Berater im Forum der „Rechtschreibwerkstatt“

 

 

 

Tommy43 im Forum der Rechtschreibwerkstatt als Anbieter von Fortbildungsveranstaltungen für die Arbeit mit den Materialien der Unternehmensgruppe rund um Norbert Sommer-Stumpenhorst

 

 

 

Der Schulpsychologe Thomas Gödde als Mitarbeiter der  „Rechtschreibwerkstatt“

 

(Aufnahme vom 17.10.2006)

 

 

 

 

 

Den Anfang 2005 veröffentlichten Ergebnissen der nach strengen wissenschaftlichen Kriterien (Validität, Reliabilität und Objektivität) durchgeführten - ursprünglich auf zwei Jahre angelegten - Marburger Studie mochte auch Thomas Gödde offenbar jüngst nicht länger trauen: Die Resultate für die nach der Methode Sommer-Stumpenhorst (Rechtschreibwerkstatt) unterrichteten Kinder waren niederschmetternd (Elternbrief  Nr. 1 und Anlage).  In einer ersten Stellungnahme zur Marburger Studie hatte Norbert Sommer-Stumpenhorst bereits am 29.11.2004 (Siehe Homepage „Rechtschreibwerkstatt“) den Wissenschaftlern (u. a. Prof. Schulte-Körne), die die Marburger Studie durchgeführt hatten, schwere Fehler und Versäumnisse vorgeworfen. Und so musste denn also alles auch so kommen, wie es jetzt kam: Gödde, um doch noch alles zum Guten zu wenden, führte nun auf eigene Faust selbst (!) - ohne jegliche Inanspruchnahme universitärer Wissenschaftler -  an insgesamt 2 (!) Schulen  (eine Klasse im Ruhrgebiet, eine Klasse im Rheinland)  eine eigene Untersuchung zur Wirksamkeit der lt. Bildungsklick „ungeeigneten“ Methode durch. Auf die Einbeziehung von Vergleichs- und Kontrollgruppen verzichtete Gödde (warum auch immer!). Im Gegensatz zu den Wissenschaftlern des  Evaluationsteams der Universität Marburg kam Gödde jetzt bei seiner eigenen Untersuchung zu herausragenden Ergebnissen für die „Methode Sommer-Stumpenhorst“. Über die Homepage der „Rechtschreibwerkstatt“ ist sein persönliches Fazit im Rahmen eines Plädoyers  für das „Konzept Sommer-Stumpenhorst“ nachzulesen. Der Chef der Unternehmensgruppe rund um die „Rechtschreibwerkstatt“, der Schulpsychologe Norbert Sommer-Stumpenhorst, dürfte die emsigen Bemühungen seines Kollegen Thomas Gödde begrüßen: Sie werden sicherlich seine Geschäfte beleben können. Oder doch nicht? 

Denn ausgerechnet auf der Bundeskonferenz für Schulpsychologie in Köln (September 2006) bekamen auch Norbert Sommer-Stumpenhorst und Thomas Gödde in einem Vortag der Bonner Professorin  Dr. Una M. Röhr-Sendlmeier* Unerfreuliches zu hören: "Ansätze wie die ’Rechtschreibwerkstatt’, die ’biologisch fundierte Entwicklungsfolgen im Spracherwerb' (Sommer-Stumpenhorst & Hötzel 2001, 108) postuliert, gehen von den falschen Prämissen aus, denn die Beherrschung einer Schriftsprache ist kein Naturgut, sondern ein Wissen, das als Kulturtechnik sozial vermittelt wird". Die Professorin Röhr-Sendlmeier führte weiter aus:

"Für den Anfängerunterricht ist es wenig vorteilhaft, auf eine einführende, wohl strukturierte Vermittlung durch den Lehrer zu verzichten. Aufeinander aufbauendes Regelwissen erweist sich für den weiteren Lernverlauf als stabiler als das selbst gesteuerte Aneignen von Teilkomponenten dieses Wissens. Schüler lernen dauerhaft motivierter, wenn die Lerninhalte verständlich gegliedert sind. Selbst Fortgeschrittene profitieren von einem systematisch aufgebauten Unterricht durch fachkompetente Lehrer am meisten".

Für die Schulpsychologen Norbert Sommer-Stumpenhorst und Thomas Gödde dürfte dieser Befund der Bonner Professorin Röhr-Sendlmeier den Charakter einer Katastrophenmeldung aufweisen.

*Frau Prof. Dr. Una M. Röhr-Sendlmeier leitet die Abteilung für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie an der Universität Bonn. Sie ist   Psychologin, Erziehungswissenschaftlerin und Linguistin.

Lesen Sie bitte auch "Die Methoden 'Sommer-Stumpenhorst' und 'Tinto!’ - Grundschule in den Fängen eines raffinierten Marketings?" unter Elternbrief Nr. 2 und Anlagen zu den Elternbriefen

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Nr. 6

 

Die Rechtschreibwerkstatt ist kein Fibel-Ersatz

Norbert Sommer-Stumpenhorst:

Materialien der Rechtschreibwerkstatt sind NUR „Fördermaterial für den Bereich des Rechtschreibens“

 

Am 19.09. 2006, wenige Wochen nach dem Schuljahrsbeginn 2006/07, erfuhr der Leser der Internet-Seiten des Diplompsychologen Norbert Sommer- Stumpenhorst eine begrüßenswerte Neuigkeit:

  

·        „Die Materialien der Rechtschreibwerkstatt verstehen sich ausdrücklich als zusätzliches Fördermaterial für den Bereich des Rechtschreibens im Rahmen des Faches Deutsch. Die Unterlagen der Rechtschreibwerkstatt sind nicht für das komplette Unterrichtsfach konzipiert. Eine explizite Zulassung ist daher nicht erforderlich und muss nicht zuvor beantragt werden“.

Damit stellt Norbert Sommer- Stumpenhorst klar:

  

-          mündliches Sprachhandeln,

-          schriftliches Sprachhandeln,

-          Rechtschreiben,

-          Umgang mit Texten und Medien

 

           zusammensetzt, lediglich die zusätzliche Förderung für das Arbeitsgebiet „Rechtschreiben“ ab. 

 

Die Erklärung Norbert Sommer-Stumpenhorsts vom 19.09. 2006 ist zu begrüßen und schafft endlich Klarheit bei Eltern und Lehrerinnen. Denn über Jahre hinweg haben viele GrundschullehrerInnen nahezu ihren gesamten Anfangsunterricht ausschließlich auf seinem „zusätzlichen Fördermaterial für den Bereich des Rechtschreibens“ aufgebaut. Und zwar dies getreu dem von Sommer-Stumpenhorst selbst herausgegebenen Motto: Wir brauchen keine Fibel! (Norbert Sommer-Stumpenhorst/Martina Hötzel: „Richtig Schreiben lernen von Anfang an“. Verlag Cornelsen, Berlin 2001.). Auch Tausende von Eltern in NRW und Hessen haben daran geglaubt.

Befragen wir die Marburger Studie (Anlage zu Elternbrief Nr. 1), ist zu bejahen, dass zahlreichen Kindern schon bis nach der 2. Klasse (inzwischen mögen es Tausende sein!) wegen eines Unterrichts, in dem nahezu ausschließlich mit „zusätzlichem Fördermaterial“ gearbeitet wurde, Schäden in erheblichem Umfang zugefügt worden sind (Anlage zu Elternbrief Nr. 1): Sie werden als lese- oder rechtschreibschwach eingestuft werden müssen. Einem weiteren Befund dieser Studie folgend, hätten viele weitere Kinder mit einer anderen Methode mehr lernen können.

Zu verantworten hat diese Situation nicht nur die Schulpolitik, die in NRW über Jahre hinweg zugeschaut hat; auch diejenigen Schulverwaltungsbeamten, die sich nicht scheuten, Lehrerinnen eine Versetzung anzudrohen, wenn diese nicht bereitwilligst ihren Anfangsunterricht an den Materialien von Norbert Sommer-Stumpenhorst ausrichten wollten, werden peinliche Fragen beantworten müssen. Die Leidtragenden sind diejenigen Kinder, die oft irreversible Schäden für ihre Lebensbiographien davongetragen haben.

Ursache für diese jetzt erfolgte „kopernikanische Wende“ könnte die begrüßenswerte Einsicht sein, dass die Methode „Lesen durch Schreiben“ für den Anfangsunterricht in der Grundschule „ungeeignet“ ist (lt. Frankfurter Rundschau vom 11.07.2005/Siehe unter 'Archiv'!). Diese umstrittene Methode ist die Basis für die Selbstlernkonzepte von Sommer-Stumpenhorst, Jürgen Reichen und Rüdiger Urbanek mit seiner Fibel „Tinto“, für die der Verlag Cornelsen wirbt: „Grundlage der Materialien in der Lehrwerksreihe ist die Idee, dass Kinder sich den Weg in die Schriftsprache weitgehend selbstständig erarbeiten können.“

Die bisher übliche Praxis, den Anfangsunterricht im Fach Deutsch auf der Basis der Materialien von Sommer-Stumpenhorst (Rechtschreibwerkstatt) zu arrangieren, wurde bereits im Juni 2005 von grundschulservice in Elternbrief Nr. 1 moniert, und das konnten Leser von Elternbriefe-online bereits im November 2005 in den Anlagen zu Elternbrief Nr. 4 lesen:

„Die gegenwärtige Rechtslage lässt also zu, dass die Materialien der Rechtschreibwerkstatt als pauschal zugelassene Lernmittel Eingang in den Deutschunterricht der Grundschule finden, wo sie unter dem Titel „Ergänzende Medien“ kurzfristig im Unterricht eingesetzt werden könnten,  über längere Zeit dürften sie nur neben einem sog. Leitmedium genutzt werden, in der 1. Klasse also neben einer Fibel, in der 2. Klasse neben Sprachbuch und Lesebuch, ..... “.

Genau diese Rechtslage gilt derzeit noch immer und wird bestätigt durch den entsprechenden Eintrag des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen unter:

http://www.bildungsportalnrw.de/BP/Unterricht/Lernmittel/index.html.

Im Fach Deutsch dürfen nämlich in der Grundschule als „Leitmedium“ nur auf dem Zulassungsweg zugelassene Lernmittel eingesetzt werden. Die Materialien der Rechtschreibwerkstatt von Sommer-Stumpenhorst gelten jedoch nicht als „Leitmedium“, sondern werden sogar seit neuestem von ihm selbst als „zusätzliches Fördermaterial“ bezeichnet. „Leitmedien“ könnten im 1. Schuljahr eine Fibel, im 2. Schuljahr ein Sprachbuch bzw. Lesebuch sein. Kopierte Seiten aus irgendwelchen Fibeln gelten übrigens nicht als „Leitmedien“, das sind schlichtweg Raubkopien.

Fazit: Die Materialien der Rechtschreibwerkstatt sind pauschal zugelassene Lernmittel, die unter dem Titel „Ergänzende Medien“, Sommer-Stumpenhorst nennt sie „zusätzliches Fördermaterial“, kurzfristig im Unterricht eingesetzt werden können. Über längere Zeit dürfen sie nur neben einem sog. Leitmedium genutzt werden, in der 1. Klasse also neben einer Fibel, in der 2. Klasse neben Sprachbuch und Lesebuch, ..... . Da für den Erstunterricht/Deutsch in NRW keine Sprachbücher zugelassen bzw. vorgesehen  sind, kommen in NRW in der Klasse 1 als zugelassene „Leitmedien“ nur die zugelassenen Fibeln der Verlage Auer, Cornelsen, Diesterweg, Duden Paetec, Kamp, Klett, Mildenberger, Oldenbourg, Schöningh, Schrödel, Volk und Wissen, Westermann in Frage. Die Materialien der Rechtschreibwerkstatt könnten also im 1. Schuljahr als „zusätzliches Fördermaterial“ zu irgendeiner Fibel der genannten Verlage eingesetzt werden. Darüber kann die Schulkonferenz entscheiden.

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Nr. 5

 

 

Neu in NRW: Notenzeugnisse für Klasse 2

Warum Eltern diese Entscheidung begrüßen sollten. 

 

 

 Der Fachbereich „Deutsch“ im Zeugnisformular für Klasse 2:

 

 

Viele Grundschuleltern werden froh darüber sein: Nun brauchen sie nicht mehr bis in die 4. Klasse auf konkrete Aussagen zu den Leistungen ihrer Kinder zu warten. Dazu mehr in Elternbrief Nr. 10!

Wie  nach der Methode Sommer-Stumpenhorst unterrichtete Kinder nach Klasse 2 abschneiden könnten, hat eine wissenschaftliche Studie der Universität Marburg zum Vorschein gebracht:

Rechtschreiben


Nach Klasse 2 lag in Sommer-Stumpenhorst-Klassen die Zahl der rechtschreibschwachen Kinder bei 23%. Bei dem Unterricht mit einer Fibel lag die Zahl  der rechtschreibschwachen Kinder nach der Klasse 2 bei 5%. Fazit: Die Anzahl der schlechten Rechtschreiber war bei Kindern, die nach der Methode Sommer-Stumpenhorst unterrichtet wurden, nahezu 5 mal so hoch wie bei Kindern, die nach einer Fibel unterrichtet wurden.

 

*Die Kontrollgruppe arbeitete mit den unterschiedlichsten Materialien;

*RS-Werkstatt = Rechtschreibwerkstatt von Sommer-Stumpenhorst

 

 

 

Lesen  

 

 

Nach Klasse 2 lag in der Sommer-Stumpenhorst-Gruppe die Zahl der leseschwachen Kinder bei 10%, in der Fibelgruppe lag die Zahl der leseschwachen Kinder nach der 2. Klasse  bei 3%.

 

 Außergewöhnlich sind die Ergebnisse aber auch deshalb, weil sogar die Kontrollgruppe noch besser abgeschnitten hat als die Gruppe "Rechtschreibwerkstatt", die nach Sommer-Stumpenhorst unterrichtet wurde. Für die Lehrer in der Kontrollgruppe hatten die Anweisungen geheißen: "Arbeiten Sie mit den Materialien, die Sie bevorzugen!"

 

Die Ergebnisse wurden (ausgenommen in der Kontrollgruppe) in Klassen gewonnen, in denen jeweils nach der "reinen Lehre" unterrichtet wurde, in denen also entweder ausschließlich die Materialien von Sommer-Stumpenhorst oder die Lollipop-Fibel verwandt wurden. 

LehrerInnen, die mit einer Fibel als "Leitmedium" arbeiten,  berichten davon, dass sich einige der Sommer-Stumpenhorst-Materialien in gewissem Umfang für den Einsatz "nebenher" eignen. Umgekehrt kann das aber offenbar nicht gelingen.

Lesen Sie bitte dazu:

·        Nr. 10: Notenzeugnisse für Klasse 2 

   Warum Eltern diese Entscheidung begrüßen sollten.

Elternbrief Nr. 10
> Anlagen zu den Elternbriefen

Ein sehr empfehlenswerter Aufsatz zum Thema "Wie lernen Kinder Rechtschreiben?" ist im Internet zu finden bei: Dr. Karl Landscheidt, Diplompsychologe, Schulberatungsstelle Oberhausen

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Nr. 4

 

Prof. Dr. Renate Valtin bleibt dabei:

Die Methode „Lesen durch Schreiben“ schadet Kindern

„Sommer-Stumpenhorst“ und „Tinto“ erneut in der Kritik

Prof. Dr. Renate Valtin, Leiterin der Abteilung Grundschulpädagogik an der Humboldt-Universität Berlin, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben (DGLS), spricht sich in einem Brief an das Magazin „Der Spiegel“ erneut* deutlich gegen den Schriftspracherwerb nach der Methode „Lesen durch Schreiben“ aus.

Während Erziehungswissenschaftler außerhalb von Deutschland  dem deutschen Schriftspracherwerbskonzept „Lesen durch Schreiben“ mit Spott begegnen, konnte es hierzulande weite Verbreitung finden. Dieses Konzept folgt der „Idee, dass sich Kinder selbst das Lesen und Schreiben beibringen können“. Spitzenverdiener im Lernmittelsektor Schriftspracherwerb sind mit diesem Konzept „Lesen durch Schreiben“ derzeit:

 

·        Rüdiger Urbanek mit > „Tinto“

·        Sommer-Stumpenhorst > „Rechtschreibwerkstatt“

·        Jürgen Reichen > „Methode Reichen“

Prof. Dr. Renate Valtin hält solche Methoden für schädlich und empfiehlt Lehrerinnen für den Schriftspracherwerbsunterricht in der 1. Klasse das systematische Vorgehen mit einer Fibel und mit Schlüsselwörtern. 

Frau Dr. Brigitte Hohlfeld von der Tulla-Realschule in Mannheim wies in diesem Zusammenhang auf ihre alljährlichen Tests zum Fortschreiten der Lese-/Rechtschreibschwäche hin. Die Ergebnisse der an ihrer Schule mit Hilfe eines standardisierten Testverfahrens  durchgeführten Untersuchungen:  "Während sieben Jahre lang im 5. Schuljahr durchschnittlich 16 bis 20 von 120 Schülern als leserechtschreibschwach getestet wurden, waren es im vergangenen Schuljahr schon 37 von 120. Die standardisierten Tests bei den diesjährigen Fünftklässlern ergaben, dass 83 von 114  LRS (= Lese-/Rechtschreibschwäche) haben! Erste Indizien weisen auf eine Korrelation zwischen der im Artikel beschriebenen Schreiblernmethode (Anmerkung des Autors: gemeint  ist "Lesen durch Schreiben"/"Freies Schreiben") und dem alarmierenden Rechtschreibversagen hin."

Der Siegener Grundschuldidaktiker Prof. Dr. Hans Brügelmann, obschon ein entschlossener Verfechter des freien Schreibens, sieht  aber ohne Wenn und Aber die Notwendigkeit, die Rechtschreibung ausdrücklich zu fördern: "Wir respektieren den frei verfassten Text des Kindes, übersetzen ihn aber in die 'Erwachsenenschrift'. So begegnen die Schüler von Anfang an der orthografischen Norm" (Siegener Zeitung v. 15.4.2006).

* Entgegen anderslautenden Darstellungen: Diese Darstellung hat Prof. Dr. Renate Valtin nie widerrufen!

Lesen Sie bitte dazu Elternbrief Nr. 7:

„Freies Schreiben“ in der Grundschule – eine üble Methode mit schlimmen  Folgen

 Sie verhindert über lange Zeit, dass Eltern dahinterkommen, wie wenig ihre Kinder in Wirklichkeit  lernen

Elternbrief Nr. 7  

 

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Nr. 3

 

 

Darf jetzt in NRW nicht mehr nach "Tinto" und „Sommer-Stumpenhorst“ unterrichtet werden ?

 

Der  renommierte Deutsch-Fachdidaktiker Horst Bartnitzky, Vorsitzender der  Richtlinien-/Lehrplankommission für Deutsch in der Grundschule, hält die Methoden "Lesen durch Schreiben" - dazu gehören u.a. die Konzepte „Sommer-Stumpenhorst“ und „Tinto“ -  für „nicht lehrplankonform“. Damit vertritt er eindeutig nun auch die Position von Prof. Dr. Renate Valtin, Leiterin der Abteilung Grundschulpädagogik an der Humboldt-Universität Berlin. 

In Elternkreisen Nordrhein-Westfalens wird bereits heftig diskutiert: In welchem Umfang können nun in NRW Eltern, deren Kinder durch nicht-lehrplankonforme Unterrichtsmethoden wie „Lesen durch Schreiben“ geschädigt wurden, von LehrerInnen Schadensersatz verlangen? 

Das didaktisch-methodische Umdenken  im Fachbereich Deutsch/Grundschule dürfte allerdings auch schon bald dem Diplom-Psychologen und Unternehmer Sommer-Stumpenhorst große Sorgen bereiten: Die Rechtschreibwerkstatt GbR, Graf Orthos Rechtschreibwerkstatt GmbH & Co. KG und Graf Orthos Rechtschreibwerkstatt - Beteiligungs- GmbH könnten von herben Umsatzeinbußen betroffen sein.

Lesen Sie dazu mehr in Elternbrief Nr. 2 im Abschnitt: 

Dürfen sich jetzt auch Nordrhein-Westfalens Eltern freuen? 

Elternbrief Nr. 2

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Nr. 2

 

Einführung der flexiblen Schuleingangsphase in NRW weiterhin freigestellt

 

Auch nach dem Regierungswechsel im Land NRW wird die Einrichtung der „flexiblen Schuleingangsphase“ an Grundschulen grundsätzlich weiter verfolgt, augenblicklich ist dies jedoch noch den Schulen freigestellt.

Mit der flexiblen Schuleingangsphase sollen zunächst die Klassen 1 und 2,  später auch die Klassen 3 und 4 zusammengelegt werden. Dies ist eine weitere Sparmaßnahme, vor der nicht genug gewarnt werden kann. Dass Deutschland für seine Grundschulen ohnehin nicht viel übrig hat, bestätigte erst kürzlich aufs Neue die OECD.

Übrigens: Unterrichtskonzepte wie die „Rechtschreibwerkstatt“ von Sommer-Stumpenhorst und „Tinto“ werden für die neue Schuleingangsphase für besonders brauchbar gehalten, daher werden diese Methoden von der Schulbürokratie auch weiterhin – obschon sie seit kurzem als nicht lehrplankonform zu gelten haben  - mit einem besonderen Bonus ausgestattet.

 

Lesen Sie dazu auch:

>>> Die neue Schuleingangsphase in NRW - ein schulministerielles Experiment an und mit Grundschulkindern -  (Archiv)

               Die flexible Schuleingangsphase in NRW

 

>>>Nr. 6: NRW-Grundschule im freien Fall – das Chaos wird Standard

Einschulung mit 5, die neue Schuleingangsphase, die Lehrerbeurteilung in Klasse 4 – Schüler und Eltern müssen die verfehlte Bildungspolitik ausbaden

Elternbrief Nr. 6

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Nr. 1

 

„Früher waren die Rechtschreibleistungen besser!“

  - Alles dummes Geschwätz? -

Schon vor gut zehn Jahren überprüften zwei junge Wissenschaftlerinnen  der Universität Heidelberg, Claudia Zerahn-Hartung und Ute Pfüller, den Wahrheitsgehalt dieser immer wieder einfach so daher gesagten Behauptung. 

Sie ließen 592 junge Erwachsene (16-30-jährig) aus verschiedenen Berufsgruppen einen Rechtschreibtest absolvieren, wie er unter denselben Bedingungen  schon 30 Jahre zuvor mit  einer Testgruppe durchgeführt worden war.  Ergebnis: Die Probanden schrieben doppelt so viele Wörter falsch wie damals. Während seinerzeit 5 %  der Arbeiten mit  „ungenügend“  bewertet werden mussten,  waren es 30 Jahre später 39,1 %. Zählt man die 9,1 % der mit „mangelhaft“ zu bewertenden Arbeiten hinzu, ergeben sich, an dem damaligen Berechnungsmodus gemessen, 48,2 % nicht ausreichender Rechtschreibleistungen: Nahezu die Hälfte aller Probanden erzielte also nicht einmal ausreichende Ergebnisse.

In 2001 führte der Schulpsychologe Alexander Geist (in: Ganser/Richter et al.: Was tun bei Legasthenie in der Sekundarstufe? Donauwörth 2005) eine ähnliche Untersuchung durch. Diesmal waren die Probanden ausschließlich Gymnasiasten der 5. Klasse. Sein Befund: Während die Ergebnisse in den 60er Jahren der Normalverteilung (nach Gauß) entsprachen,  müssten heute, 40 Jahre später,  etwa 40 % der Gymnasiasten aus der 5. Klasse als rechtschreibschwache Schüler oder Legastheniker eingestuft werden. Hinzurechnen müsste man eigentlich noch die Zahl der rechtschreibschwachen Realschüler und Hauptschüler. Darauf müssen wir jedoch verzichten. Grund: Real- und Hauptschullehrer hatten Alexander Geist von einer Untersuchung dieser Schülergruppen abgeraten, um eine Katastrophe zu vermeiden: Schüler dieser Schulformen wären unsagbar überfordert gewesen. Sind unsere Kinder also dümmer geworden? Das Gegenteil ist der Fall! Die oben genannten Forscherinnen betonten in diesem Zusammenhang, dass die sprachfreie Intelligenz seit 1977 von 100 auf 111 IQ-Punkte angewachsen ist.  

Auch das ist erwähnenswert: Unmittelbar nach dem Fall der Mauer wurden vergleichende Studien zur Rechtschreibung in Ost und West (im Stadtstaat Hamburg) durchgeführt (Prof. Peter May, Universität Hamburg). Ergebnis: Die Rechtschreibung im Osten war deutlich besser als im Westen (im Stadtstaat Hamburg). 

Peter May bilanziert:

"Bezüglich der Rechtschreibsicherheit bei vorgegebenen Wörtern und Sätzen zeigen die ostdeutschen Kinder in allen Klassen deutliche Vorteile, wobei die Unterschiede zu den Hamburger Kindern im Laufe der Grundschulzeit wachsen. Die Unterschiede bleiben auch dann enorm, wenn die - in Hamburg wesentlich häufigeren - Ausländerkinder aus dem Vergleich ausgeklammert werden. Der Anteil von Schülern mit Rechtschreibleistungen, die nach Hamburger Kriterien als überdurchschnittlich einzustufen sind, ist schon gegen Ende der ersten Klasse höher und steigt bis gegen Ende der Grundschulzeit auf etwa 60 Prozent. Gleichzeitig ist die Gruppe der schwachen Rechtschreiber in der DDR zahlenmäßig gering, und extrem schwache Rechtschreiber finden sich dort äußersterst selten." (RS-Lernen in West und Ost , Peter May  92/02)

"Bezüglich der Rechtschreibung in Aufsätzen zeigen sich die DDR-Kinder am Ende der vierten Klasse den Hamburger Kindern im Mittel deutlich überlegen: 95,4 % aller Wörter der DDR-Kinder enthalten keine Rechtschreibfehler (in Hamburg: 86,3 %). Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn man nur die verschiedenen Wörter (ohne Eigennamen) betrachtet: 92,4 % (DDR) vs. 77,8 % (im Westen) der verschiedenen Wörter enthalten weder Rechtschreib- noch Grammatikfehler." (RS-Lernen in West und Ost , Peter May  92/02)

Eine Studie 15 Jahre später ergab: Mittlerweile ist die Rechtschreibung im Osten genau so schlecht wie im Westen.

Alexander Geist nennt auch die Hauptursache für diese Entwicklung in die Rechtschreibkatastrophe: die didaktischen und methodischen Fehlentwicklungen,  u. a. fehlende Systematik, unreflektierter Einsatz der Spielmethodik, der übermäßige Einsatz von Arbeitsblättern, kurzum: der Unterricht. Darüber sollten Grundschullehrerinnen einmal nachdenken.

 

Weitere Aufsätze:

 

 

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