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Entwicklungen und Fehlentwicklungen an Grundschulen

 

Elternbriefe-online berichtet in ELTERNBRIEFEN von den Entwicklungen und Fehlentwicklungen an Grundschulen und orientiert sich dabei stets an den neuesten Ergebnissen aus den zuständigen Wissenschaftsbereichen. Sämtliche Informationen wurden sorgfältig recherchiert und sind jederzeit überprüfbar. Elternbriefe-online  ist in jeder Hinsicht unabhängig. 

 

 

aktualisiert am: 09.01.2012

Elternbrief Nr. 13

  • Nr. 13: Pädagogik gegen das Kind -

'Lesen durch Schreiben' mit dem Unterricht nach Sommer-Stumpenhorst, Tinto und Reichen/Der Spracherfahrungsansatz nach Brügelmann

Wie wissenschaftsferne Dogmen unseren Kindern schaden

Ergänzung:

Kap. XVII.: 'Lesen durch Schreiben' und 'Spracherfahrungsansatz': Ein vernichtendes Urteil aus der Hirnforschung - Neu!

 

Kap. XVI.: Prof. Dr. rer. soc. Hans Brügelmann, Reformpädagoge: Erfinder des 'Spracherfahrungsansatzes' - Die Methode 'Reichen' als radikal-reformpädagogisch gedachte 'Lesen-durch-Schreiben'-Version (21.11.2011)

Kap. XV.: Exkurs in die Essentials des Reichen-Konzepts

Kap. XVII: „Früher waren die Rechtschreibleistungen besser!“ - Alles dummes Geschwätz? - Erweiterte Neufassung

  • Lesempfehlung: Lernwegsorientierter Schriftspracherwerb im Spiegel der Empirie und des Schulalltags v. Wilfried Metze (s. unten!

 

 

Einführende Information zur Problematik des Unterrichts nach dem Konzept

'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz':

Wegen der großen Nachfrage wird auf diesen Seiten auch weiterhin dem Konzept 'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz' besondere Beachtung geschenkt.   

Das Konzept 'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz' stützt sich weitestgehend auf  Annahmen, Meinungen und Ideen, keineswegs jedoch auf  in wissenschaftlicher Hinsicht ernst zu nehmende und - somit - diskussionsfähige Theorien. In dieser Beurteilung sind sich seit Langem schon renommierte Sprachwissenschaftler, Sprachdidaktiker und Hirnforscher einig - wie unten bzw. in Elternbrief Nr. 13 gezeigt wird -. Noch nie konnte zudem in Deutschland nach vierjähriger Grundschulzeit in einer sauberen wissenschaftlichen Studie die Wirksamkeit dieser Didaktik hinsichtlich messbarer Leistungen von Schülerinnen und Schülern nachgewiesen werden. Hinreichend durch neuere Studien belegt ist allerdings, dass sich in den letzten Jahrzehnten die Rechtschreibung bei Schülerinnen und Schülern ständig verschlechtert hat. (Zu finden unter http://www.grundschulservice.de/Elternbrief%20Nr.%2013.htm/Kap. XIX.: "Früher waren die Rechtschreibleistungen besser!" - Alles dummes Geschwätz?)

Das Konzept 'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz' dient z. B. als Grundlage für die Materialien/Lehrwerke 'Rechtschreibwerk-statt' (Sommer-Stumpenhorst), 'Tinto' (Rüdiger Urbanek), 'Lesen durch Schreiben' (Jürgen Reichen), 'ABC Lernlandschaft' (Erika Brinkmann), 'ZEBRA' (Klett-Verlag), 'Konfetti' (Diesterweg-Verlag) sowie die Materialien von Brügelmann/Brinkmann/Scheerer-Neumann/Kretschmann/Balhorn (VPM-Verlag). In einem Elternbrief des Klett-Verlags wird der Unterricht nach dem Konzept 'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz' für das Lehrwerk ZEBRA so beschrieben (Auszug als Zitat aus: http://www.klett.de/web/uploads/pondus_datei/Elternbrief_zebra.doc/Stand: 08.01.2012):

«Was ist Lesen durch Schreiben?

ZEBRA folgt einem schreiborientierten Ansatz. Das bedeutet, dass Ihr Kind erst schreiben und dann lesen lernt. Das funktioniert so: Da das Unterrichtswerk keine vorgegebene Buchstabenabfolge wie in einer klassischen Fibel enthält, können die Kinder/die Lehrerin die Reihenfolge der Erarbeitung der Buchstaben selbst bestimmen. Ausgangspunkt ist die Schreibtabelle*, die in der Mitte des Buchstabenheftes sowie als Einleger zu finden ist. Alle Buchstaben stehen übersichtlich mit Anlautbildern zur Verfügung. Anhand von diesen Bildern wird die Lautseite der Sprache abgebildet, z.B. A für Affe, B für Baum. Mit Hilfe der Schreibtabelle und dem Buchstabenheft kann sich Ihr Kind die Buchstaben nach freier Wahl erarbeiten und dann eigene Texte verschriften. Ihre Tochter oder Ihr Sohn isoliert den ersten Laut aus dem Wort und sucht dann auf der Schreibtabelle* das passende Bild, das den gleichen Anlaut hat. Der dazugehörige Buchstabe wird dann auf Papier gebracht. (Am Anfang gleicht dieses Aufschreiben eher einem "Malen".) Daraufhin wird das Wort wieder gedehnt vorgesprochen und versucht, den nachfolgenden Laut herauszuhören. Wieder folgen eine Zuordnung zum Anlautbild und das "Abmalen" des Buchstabens. Es ist für viele Kinder zu Beginn des Schriftspracherwerbs nicht einfach, die "flüchtige" Lautkette exakt zu zergliedern und in ihrer richtigen Reihenfolge niederzuschreiben. Sie verschriften nach Gehör. Fehler sind in diesem Lernprozess völlig normal und zeigen der Lehrerin, bei welchen Schritten im Schriftspracherwerb sich Ihr Kind gerade befindet.

Es ist sehr wichtig, Ihr Kind beim Lernprozess regelmäßig zu loben und zu motivieren. Meistens kann man das Wort "erahnen", das geschrieben werden sollte. Aber es gibt nichts Schöneres für den Lernenden, wenn jemand das Wort erkennt und "vorliest".

Für die meisten Kinder ist es sehr anspornend, eigene Wörter aufzuschreiben. Die Schreibtabelle bietet ihnen die Möglichkeit, dies immer wieder selbstständig zu tun.[.....]» 

*(In anderen Lehrwerken wird die 'Schreibtabelle' als 'Anlauttabelle', 'Lauttabelle' oder 'Buchstabentabelle' bezeichnet. Anm. J. G. Jansen)

Es ist richtig: Bald schon schreiben einige Kindern kleine "Geschichten", es sind Texte mit grammatischen Fehlern, voller Rechtschreibfehler, vieles ist schier unlesbar - sogar für den/die VerfasserIn selbst -. Das Konzept 'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz' sieht vor: Fehler werden grundsätzlich nicht berichtigt. Das wird auch den Eltern eingeschärft.

 

Die moderne Didaktik richtet ihr Hauptaugenmerk nicht auf das Schreibprodukt, sondern auf den Schreibprozess, der regelmäßig ausschließlich unter den Aspekten der Selbstbestimmtheit, der Spontaneität, der Motivation und der Kreativität beurteilt wird. Texte dürfen dabei von den Kindern - oft über Jahre hinweg - auf selbstbestimmte Weise und unbelastet vom Regelwerk der Orthographie oder der Grammatik verfasst werden: Das Konzept 'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz' und das Konzept 'Freies Schreiben' gehen ineinander über. (Beschrieben in: http://www.grundschulservice.de/Elternbrief%20Nr.%2013.htm/Kap. VI.)

 

Seit nahezu drei Jahrzehnten wird hierzulande an vielen Grundschulen nach dem Konzept 'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz' unterrichtet. In FOCUS-SCHULE-online ließ die Redakteurin Simone Scheufler den Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Günther Thomé von der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, der die sich anbahnende Rechtschreibmisere an unseren Schulen gründlich untersucht hat, zu Wort kommen (01.08.2010). Nach seinen Befunden ist die Rechtschreibung von Kindern und Jugendlichen schlecht wie nie. "Die Hälfte der Schüler ist heute rechtschreibschwach, wenn sie aus der Schule kommen", sagte Günther Thomé. "Sie haben so große Probleme, dass man ihre Orthografie mit der Note 5 bewerten müsste." (http://www.focus.de/schule/magazin/archiv/rechtschreibung-etwas-laeuft-foll-valsch_aid_539949.htm/Stand: 10.03.2011)

 

Im Jahre 1999 war der Oberhausener Schulpsychologe Dr. Karl Landscheidt in Würzburg Teilnehmer eines Symposiums zum Thema „Grundschulpädagogik als universitäre Forschungsdisziplin“. In seinem Aufsatz aus dem Jahre 2006 „Wie lernen Kinder Rechtschreiben?“ zitierte Landtscheidt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Valtin, die in Würzburg über ihre Forschungsarbeit zur Fundierung  grundschulpädagogischer Entscheidungen referiert hatte: "Auf der Ebene der grundschulpädagogischen Diskurse tauchen Ergebnisse empirischer Forschung nur in Spurenelementen auf. Auch auf der Ebene der Praxis spielt die Empirie keine entscheidende Rolle [.....]: alle wichtigen grundschulpädagogischen Entscheidungen (4- oder 6jährige Grundschuldauer, Einschulungsalter, Forderung nach offenem Unterricht und Freiarbeit) sind ohne empirisch abgesicherte Grundlagen getroffen worden." (http://www.schulpsychologie.de/ww3ee/bin/576842-577098-2-lands_lrs.pdf)

 

Auch zwölf Jahre nach jenem Würzburger Symposium zum Thema "Grundschulpädagogik als universitäre Forschungsdisziplin" mögen sich Grundschulen nicht von fundamental bedeutenden Erkenntnissen aus der wissenschaftlichen Grundlagenforschung bevormunden lassen. In «"Die Schulä fenkt an" - Wie Kinder in der Grundschule schreiben lernen» (Sendereihe PISAplus des Deutschlandfunks) stellte am 10.12.2011 der weit über Deutschland hinaus bekannte Hirnforscher Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Spitzer noch immer fest: "Nun, ich habe 2004 in Ulm das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen gegründet, weil es ja nicht sein kann, dass Hunderttausende von Gehirnforschern, die sich im Wesentlichen um das Lernen kümmern, denn das ist die Aufgabe des Organs Gehirn, dass die jährlich etwa 40.000 wissenschaftliche Arbeiten schreiben, wo es genau darum geht: Wie lernt das Gehirn? Und dass von diesen Arbeiten nichts, also noch mal: ’Null Komma Null’ im Kindergarten und in der Schule ankommt." Die oben genannte Radiosendung fokussierte die Frage: Wie lernen Kinder in der Grundschule schreiben?  Das unterrichtliche Vorgehen, wie es nach dem Konzept 'Lesen durch Schreiben' sowie nach dem mit diesem Konzept eng verwandten 'Spracherfahrungsansatz' verordnet ist, bezeichnete Prof. Spitzer in seinem Interviewbeitrag als "maximal schlecht".  (http://www.grundschulservice.de/Elternbrief%20Nr.%2013.htm/Kap. XVII.)

 

Ebenso ist auch kaum davon auszugehen, dass sich das Unterrichtsgeschehen in Deutschlands Grundschulen nach der in 2009 veröffentlichten Hattie-Studie verändern wird. In dieser Studie weist Prof. Hattie nach, dass die "Wirksamkeit" auf den Lernerfolg bei den Schülerinnen und Schülern sowohl des jahrgangsübergreifenden Unterrichts, des offenen Unterrichts, des selbstbestimmten Lernens als auch des 'Spracherfahrungsansatzes', der im angloamerikanischen Sprachraum 'whole language' heißt, bei nahezu Null liegt. (detailliert in: http://www.grundschulservice.de/Elternbrief%20Nr.%2013.htm/Kap. XVI.)

 

Aus sprachwissenschaftlicher und sprachdidaktischer Sicht kritisieren Professoren wie Ursula Bredel, Gabriele Hinney, Astrid Müller und Christa Röber bereits seit Jahren mit fundierter Argumentation das Konzept 'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz' und weisen auf die erheblichen Risiken und u. U. lebenslangen Schädigungen für die meisten der Kinder hin, die danach unterrichtet werden. Auch deren unwiderlegbare Argumentation hat nicht mit dazu beitragen können, dass dieses für den Anfangsunterricht  unbrauchbare und geradezu schädliche Konzept inzwischen verboten worden wäre. 

 

Noch vor wenigen Jahren wurde, insbesondere für Grundschulen, wortreich die 'Pädagogik vom Kinde aus' herbeigeredet - dort eingezogen ist anstatt dessen ein Geist der Verantwortungslosigkeit. Nicht wenige Professoren/Professorinnen, oft genug ohne irgendein Lehramtsstudium oder nur mit einer um Jahrzehnte zurückliegenden kurzen Lehrtätigkeit vor Ort, sind indes mit Eifer an der weiteren  Verbreitung von 'Lesen durch Schreiben'/ 'Spracherfahrungsansatz' interessiert und daher keineswegs geneigt, die derzeit geübte Praxis sog. moderner Pädagogik - und somit auch die neue Grundschulpädagogik als Geschäftsidee - in Frage stellen zu lassen. Ein Eingeständnis der Autoren der erfindungs- und phantasiereich erdachten derzeit praktizierten sog. modernen Grundschulpädagogik, sich bei der Einschätzung zur Wirksamkeit ihrer methodischen Konzepte geirrt zu haben, ist auf lange Sicht nicht zu erwarten. Das heißt, dass solche Professoren kaum bereit sein werden, ihre Lehre zu revidieren, ihre Veröffentlichungen zu Makulatur zu erklären und ihre lukrativen Nebentätigkeiten, insbesondere solche für Verlage, aufzugeben. Zu viele von ihnen haben inzwischen selber für Verlage ihre Schulmaterialien entwickelt oder sind für Verlage als 'Wissenschaftliche Berater' bei der Herausgabe solcher Lehrwerke tätig, die nach den Konzepten 'Lesen durch Schreiben'/'Spracherfahrungsansatz' arbeiten. Im Übrigen befinden sich Professoren für Grundschulpädagogik, vornehmlich im Fach Deutsch, in einer privilegierten Situation und machen reichlich Gebrauch von der Möglichkeit, über Jahre hinweg in Vorlesungen einseitig ihre Veröffentlichungen zu verarbeiten und die Lehrerinnen/Lehrer auf die dazu entwickelten Lehrwerke und Unterrichtsmaterialien einzuschwören. Nicht selten: Zur Abschlussprüfung schreiben sie dann auch noch ihre Veröffentlichungen als Pflichtlektüre zur Prüfungsvorbereitung vor.

 

In seinem Buch 'Medizin für die Bildung - Ein Weg aus der Krise' (Heidelberg 2010) beschreibt Prof. Dr. Manfred Spitzer eindrucksvoll die Ignoranz und den neuen Ungeist in der pädagogischen Landschaft: Der derzeitigen Pädagogik spricht er den Status einer wissenschaftlichen Disziplin ab und sieht sie anstatt dessen in der Nähe von obskurer Quacksalberei. Man mag umso eher geneigt sein, diesem Urteil des Hirnforschers Prof. Dr. Manfred Spitzer zu folgen, wenn man Karrieren wie z. B. die des  Dr. rer. soc. Hans Brügelmann hinterfragt: Insbesondere Mediziner sind in höchstem Maße erstaunt darüber, dass es ausgerechnet einem studierten Juristen und Sozialwissenschaftler - ohne irgendein Lehramtsstudium sowie je ohne andauernde regelmäßige Unterrichtstätigkeit als Lehrer an einer Schule - gelingen konnte, für die Grundschule mit weltabgehobenen Ideologien zum Superstar der deutschen Reformpädagogik zu arrivieren. Brügelmann, der ebenso kein Fachstudium in einer der an der Erforschung des Schriftspracherwerbs beteiligten Einzelwissenschaften wie der Fachdidaktik Deutsch, der Sprachwissenschaft oder der Psychologie nachweisen kann, war dennoch genauso erfolgreich darin, seine Lesen-durch-Schreiben-Variante, den 'Spracherfahrungsansatz', bundesweit in die Grundschulen zu lancieren. Brügelmanns Bekunden nach war diese neue Didaktik nicht etwa das Produkt eigener erfolgreicher Erprobung im Schulalltag, sondern - da ihm eigene praktische Schulerfahrungen fehlten - das Ergebnis seiner emsigen literaturbasierten Schreibtischarbeit. (Detailliert in: http://www.grundschulservice.de/Elternbrief%20Nr.%2013.htm/Kap. XVI.: Prof. Dr. rer. soc. Hans Brügelmann, Reformpädagoge: Erfinder des 'Spracherfahrungsansatzes')

 

Ein großer Teil der Professorenschaft für Grundschulpädagogik, allen voran Prof. Hans Brügelmann, also der Erfinder des 'Spracherfahrungsansatzes', hat inzwischen über viele Jahre hinweg zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Lesen und Schreiben (DGLS e.V.) und dem Grundschulverband ein riesiges Netzwerk zur Verbreitung reformpädagogischer Ideen zum Lesen- und Schreibenlernen aufgebaut. Ute Andresen, Grundschuldidaktikerin, für lange Jahre selber im Grundschulverband tätig - von daher verfügt sie über ein erhebliches Insiderwissen -, bezichtigt den Grundschulverband, er sei inzwischen "eine mächtige Lobby geworden. Sein Vorstand hat jetzt Zugang zu allen entscheidenden Instanzen in den 16 Kultusministerien, kann auf Referenten und Lehrpläne einwirken ... ." (Ute Andresen in: 'taz' vom 09.02.2011, unter http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=bi&dig=2011/02/09/a0129&cHash=00ae18d5a9, Stand 10.11.2011) 

 

Vermehrt haben schon seit Langem wachsame und besorgte Eltern von Grundschulkindern als Privatlehrer am Nachmittag den Unterricht im Lesen, Schreiben und Rechnen selbst in die Hand genommen oder schicken ihre Kinder in den professionellen Nachhilfeunterricht, der mittlerweile selbst in dörflichen Gemeinden angeboten wird: inzwischen ein Milliardengeschäft in Deutschland. Anzeigekampagnen der Nachhilfeinstitute sowie die in Buchhandlungen angebotene Fülle an Nachhilfematerialien für den häuslichen Nachhilfeunterricht ( insbesondere in Rechtschreiben, Lesen und Rechnen) belegen, wie enorm der Bedarf in den letzten Jahren gestiegen ist. Bildungsbewussten und engagierten Eltern, die über die finanziellen, zeitlichen und entsprechenden kompetenzbasierten Ressourcen verfügen, diese Angebote ausschöpfen zu können, kann es denn auch gelingen, ihre Kinder aus der Gefahrenzone herauszuführen und ihnen zu einer hinreichenden Orthographiekompetenz zu verhelfen. Insofern ist es natürlich bei Untersuchungen zur Orthographiekompetenz abwegig, davon auszugehen, der jeweilige Leistungsstand der Kinder sei durchweg das Ergebnis der schulischen Lehre. Deshalb ist wohl auch die Feststellung von K. Kowalski /A. Voss, dass nur (!) rund einem "Viertel aller Schülerinnen und Schüler der Weg zur Schriftlichkeit mit den etablierten didaktischen Vermittlungsansätzen verwehrt bleibt", keineswegs eine valide Aussage, die die schulische Realität in Deutschland zuverlässig beschreibt. (Kerstin Kowalski /Andreas Voss: Die IGLU-Ergänzungsstudie 2006 zur Rechtschreibkompetenz von Viertklässlern, in: Renate Valtin/Bernhard Hofmann [Hrsg.]: Kompetenzmodelle der Orthographie. Berlin 2009)

 

Wie hinreichend belegt ist, finden wir mangelnde Rechtschreib- und Lesekompetenz gehäuft - aber bei weitem nicht ausschließlich* - bei Schülerinnen/Schülern aus sozial schwachen und bildungsfernen Elternhäusern sowie bei Kindern aus Familien mit Migrationshintergrund. Es gibt sie bereits zuhauf, die ratlosen und aufgebrachten Eltern, die den Schulen vorwerfen, nicht effektiv den Service zu leisten, für den sie ihre Steuern bezahlen: Schließlich belasten die Gebühren, die sie für den Nachhilfeunterricht zu entrichten haben, oder die Kosten der Materialien für den häuslichen Nachhilfeunterricht oft genug in erheblichem Umfang ihr Haushaltsbudget bis an die Grenzen des noch Leistbaren. Kinder aus sozial schwachem Milieu bleiben ohne Chance. Bildungsferne Eltern werden jedoch kaum für die schulische Situation ihrer Kinder zu interessieren sein, und für Kinder aus - in sprachlicher Hinsicht - nicht integrierten Familien mit Migrationshintergrund entfällt aus naheliegenden Gründen in aller Regel die Möglichkeit, sich von ihren Eltern beim Erwerb einer Rechtschreib- und Lesekompetenz unterstützen zu lassen.

* Belegt ist, dass nicht nur Risikokinder durch den Unterricht nach 'Lesen durch Schreiben/'Spracherfahrungsansatz' in besonderem Maße gefährdet sind: Kinder ohne jegliches Risiko beim Start in den Schriftspracherwerbsunterricht erzielen bei einem Unterricht mit soliden Unterrichtsmethoden nach Abschluss der Grundschulzeit messbar erheblich bessere Leistungen.  

 

Es wird berichtet, dass Eltern zunehmend weniger geneigt sind, sich mit blumigen und euphorischen Phrasen von Lehrerinnen und Schulleitungen zum Unterricht mit 'Lesen durch Schreiben/'Spracherfahrungsansatz' zufrieden zu geben. Sie verlangen Verhältnisse, wie sie in der medizinischen Versorgung üblich sind: Zu den wichtigsten Patientenrechten gehört immerhin das Recht auf sorgfältige Heilbehandlung gemäß dem anerkannten Stand der Wissenschaft. Für Dienstleistungen, die die Grundschule zu erbringen hat, scheint indes der Anspruch auf Leistungen gemäß dem anerkannten Stand der Wissenschaft nicht vorgesehen zu sein. Verglichen mit den Zuständen in der Medizin erinnern viele Konzepte und Arbeitsmethoden in der pädagogischen Landschaft eher an Scharlatanerie und an Quacksalberei als an solide Wissenschaft, denn: Aus "dem hohlen Bauch wird alles Mögliche gemacht", weiß der oben bereits zitierte Hirnforscher Prof. Spitzer zu berichten,  "aber wissenschaftliche Grundlagenforschung, also echtes Wissen, in Handlung umgesetzt, so wie man das aus anderen Wissenschaften - wie beispielsweise der Medizin - her kennt: Das findet im Bereich von Kindergarten und Schule leider nicht statt." (Prof. Manfred Spitzer in: http://www.grundschulservice.de/Elternbrief%20Nr.%2013.htm/Kap. XVII.) Mittlerweile gibt es Eltern, die sich mit dem Gedanken tragen, Schulen/LehrerInnen auf Schadensersatz zu verklagen, wenn ihre Grundschulkinder im Fach Sprache versagen. Sie kalkulieren - wohl zu Recht: Wenn renommierte Sprachwissenschaftler, Sprachdidaktiker und  Hirnforscher sowie internationale Studien, gerade auch solche aus der wissenschaftlichen Grundlagenforschung, inzwischen schlüssig nachweisen können, dass der Anfangsunterricht in keiner Weise gemäß dem anerkannten Stand der Wissenschaft erteilt wird, müsse man - eben der Plausibilität entsprechend - zunächst einmal davon ausgehen, dass die Minderleistungen im Fach Sprache durch das praktizierte falsche und geradezu schädliche Unterrichtskonzept wie z. B. 'Lesen durch Schreiben/'Spracherfahrungsansatz' verursacht wurden. Immerhin scheint inzwischen auch die juristische Relevanz der Frage an Bedeutung zu gewinnen: Ob es hinzunehmen ist, dass Kinder z. B. im Anfangsunterricht nach Unterrichtskonzepten unterrichtet werden dürfen, die in keiner Weise dem Stand der Wissenschaft entsprechen. Die Tatsache, dass an deutschen Grundschulen mit einem Unterricht, der in keiner Weise gemäß dem anerkannten Stand der Wissenschaft folgt, ständig auch gegen diejenigen von den UN (Vereinten Nationen) vertretenen Menschenrechte verstoßen wird, die für die Rechte und das Wohl des Kindes eintreten, muss hier nicht weiter diskutiert werden.    

 

Prof. Dr. Schulte-Körne vom Klinikum der Ludwig-Maximilian-Universität München, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, listet die möglichen Folgen bei Kindern mit Minderleistungen in der Rechtschreibung auf (Prof. Dr. Gert Schulte-Körne: Elternratgeber Legasthenie, München 2004)

  • Verhaltensstörungen (Hyperaktivität, Impulsivität, Aufmerksamkeitsstörung, Gewalttätigkeit, provozierende Verhaltensweisen)

  • inversive Störungen (Zurückgezogenheit, traurige Stimmung, depressive Störungen mit Selbstmordgedanken, Schlafstörungen, Gewichtsverlust, morgendliches Erbrechen, Kopf- und Bauchschmerzen, nächtliches Einnässen, auch wenn zuvor bereits seit Jahren trocken, diverse psychosomatische Erkrankungen)

  • negatives Selbstkonzept, geringes Selbstwertgefühl, negatives Selbstbild mit einer pessimistischen Zukunftserwartung

  • Störungen, die die gesellschaftliche Integration negativ beeinflussen

 

Dem aktuellen Stand der Wissenschaft folgend werden das Konzept 'Lesen durch Schreiben/'Spracherfahrungsansatz' und die mit der Praxis verbundenen Risiken für Kinder in Elternbrief Nr. 13 unter dem Titel "Pädagogik gegen das Kind"/"Wie wissenschaftsferne Dogmen unseren Kindern schaden" wissenschaftsnah beschrieben. (In: http://www.grundschulservice.de/Elternbrief%20Nr.%2013.htm)

Günter Eich  (*1. Februar 1907 in Lebus; † 20. Dezember 1972 in Salzburg, deutscher Hörspielautor und Lyriker)

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind! 

Seid mißtrauisch gegen ihre Macht, die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen. 
Wacht darüber, daß eure Herzen nicht leer sind, wenn mit der Leere eurer Herzen gerechnet wird!

Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt

 

Pädagogik gegen das Kind

'Lesen durch Schreiben' mit dem Unterricht nach Sommer-Stumpenhorst, Tinto, Reichen sowie nach dem 'Spracherfahrungsansatz'

 

Wie wissenschaftsferne Dogmen unseren Kindern schaden

 

Dazu: Elternbrief Nr. 13

 

Betrifft: Elternbriefe-online/www.grundschulservice.de in Sachen Plagiat

 

Ein Plagiat ist das bewusste Aneignen sowie eine damit verbundene illegitime und illegale Veröffentlichung oder Verwendung fremder Erkenntnisse und geistiger Leistungen. Wie mir gemeldet wird, bedient man sich zunehmend in unterschiedlicher Absicht auch dieser Seiten und verzichtet dabei auf die übliche Zitationspraxis bzw. auf eine Quellenangabe bei der Übernahme des fremden Gedankengutes.

 

Was LehrerInnen und Eltern von Erstklässlern unbedingt wissen sollten: 

            Lernwegsorientierter Schriftspracherwerb im Spiegel der Empirie und des Schulalltags       

       Wilfried Metze (Grundschuldidaktiker und Fibelautor)/Vortrag beim Dyslexieverband in Zürich (Schweiz) am 31. Mai 2008 

 >http://www.wilfriedmetze.de/Vortrag_Zurich_31.5.08.pdf<

 

Bisher erschienen Elternbriefe mit den folgenden Themen:

 

 

Elternbrief Nr.  1
  • Nr.  1: Lernen unsere Kinder in der Grundschule noch richtig schreiben und lesen?

Die Methode "Rechtschreibwerkstatt" des Norbert Sommer-Stumpenhorst im Anfangsunterricht von Grundschulen  

Elternbrief Nr.  2
  • Nr.  2: Die Methoden „Sommer-Stumpenhorst" und „Tinto“ - die unsauberen Studien zur Methode „Sommer-Stumpenhorst"

Wird der Unterricht in der "modernen Schule" zunehmend von privatwirtschaftlichen Interessen geprägt?  

Elternbrief Nr.  3
  • Nr.  3: Unser Kind kann nach Klasse 2 immer noch nicht richtig schreiben und lesen

Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten und Lese-/Rechtschreibstörungen in Klasse 1/2  

Elternbrief Nr.  4
  • Nr.  4: Die Mitwirkungsrechte der Eltern bei der Einführung neuer Lernmittel

Oder hat sich ihr Mitwirkungsrecht darauf zu beschränken, für Schulfeste Kaffee und Kuchen zu beschaffen?  

Elternbrief Nr.  5
  • Nr.  5: Die Legende von den Vorteilen der "Vereinfachten Ausgangsschrift"

Abstruser Innovationswahn in deutschen Grundschulen  

Elternbrief Nr.  6
  • Nr.  6: NRW-Grundschule im freien Fall – das Chaos wird Standard

Einschulung mit 5, die neue Schuleingangsphase, die Lehrerbeurteilung in Klasse 4 – Schüler und Eltern müssen die verfehlte Bildungspolitik ausbaden  

Elternbrief Nr.  7
  • Nr.  7: „Freies Schreiben“ in der Grundschule – eine üble Fehlentwicklung mit schlimmen Folgen

Sie verhindert über lange Zeit, dass Eltern dahinterkommen, wie wenig ihre Kinder in Wirklichkeit  lernen  

Elternbrief Nr. 8
  • Nr.  8: Der Jena-Plan des NS-Pädagogen Peter Petersen und dessen Wirken in den Jahren 1933 - 1945 

Totgeschwiegene Dimensionen der Reformpädagogik

Elternbrief Nr.  9
  • Nr.  9: Offener Unterricht in der Grundschule - 

 Unterrichtsformen gegen die Wirklichkeit des Grundschülers    

Elternbrief Nr. 10
  • Nr. 10: Neu in NRW: Notenzeugnisse in Klasse 2

 Warum Eltern diese Entscheidung begrüßen sollten.

Elternbrief Nr. 11
  • Nr. 11: Das Professorenduo Brügelmann-Brinkmann

Wie wissenschaftlich ist ihre Wissenschaft?

Elternbrief Nr. 12
  • Nr. 12: 'Schreib, wie du sprichst!' - Einprägsam, aber falsch!

Versäumnisse und Irrtümer der Methoden 'Lesen durch Schreiben'/'Freies Schreiben

Elternbrief Nr. 13
  • Nr. 13: Pädagogik gegen das Kind  ’Lesen durch Schreiben’ mit dem Unterricht nach Sommer-Stumpenhorst, Tinto und Reichen/Der Spracherfahrungsansatz nach Brügelmann
Elternbrief Nr. 14
  • Nr. 14: Klassen mit mehr als 25 Kindern:

„eine unverantwortliche Form der Vernachlässigung der Kinder durch die Politik in diesem Land“ (Prof. Dr. J.  Ramseger)

Elternbrief Nr. 15
  • Nr. 15: Unterrichtsforschung in Deutschland: ein unrühmliches Beispiel

Eine  'Studie' zum Einfluss der Klassengröße auf  'schulische Wirkungen'

Elternbrief Nr. 16
  • Nr. 16: Das Ende eines Mythos: Lesen durch Schreiben und die Methode Sommer-Stumpenhorst - die unsauberen Studien zur Methode „Sommer-Stumpenhorst"
Elternbrief Nr. 17
  • Nr. 17: 'Neurodidaktik' als Mogelpackung

Neuro-Mythen machen Schule/Elternbrief zur vielbeachteten Veröffentlichung von Dr.  Nicole Becker:  "Die neurowissenschaftliche Herausforderung der Pädagogik"

Elternbrief Nr. 18
  • Nr. 18: Neue Lehrpläne an nordrhein-westfälischen Grundschulen - Abschreiben lernen:  abstruser     Rechtschreibunterricht nach der irrigen Wortbildtheorie aus dem 19. Jahrhundert Neu!
Elternbrief Nr. 19
  • Nr. 19: Jahrgangsübergreifender Unterricht (JÜL / Flex) -

 Ist die marode Schule von heute mit Pädagogik aus der NS-Zeit  zu retten? Neu!

Elternbrief Nr. 20

  • Nr. 20: "Der Teufel ist böse." -

 Moderner Anfangsunterricht mit der Methode 'Sommer-Stumpenhorst'  Neu! (Ergänzungen)

Elternbrief Nr. 21

  • Nr. 21: Gemeinschaftsschule Die Einführung in NRW und anderswo - ein konfuses Improvisationstheater für ein desorientiertes Publikum

Ergänzung: Die neue Schule in NRW ab 2010/11 - die Gesamtschulen sind nicht in ihrem Bestand gefährdet

Weitere Aufsätze:

 

 

 

 

 

 

Sämtliche Texte dürfen - auch in Auszügen, solange die Aussage dadurch nicht verfälscht wird -  per Zitation und mit Angabe der Quelle weitergereicht werden.  Es ist es gestattet, auf  http://www.grundschulservice.de zu verweisen.


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